Category Archives: Allgemein

Methadon in der Krebsbehandlung

Dezember 2016

Am 13. November 2016 kam in der Welt am Sonntag unter der Rubrik Wirtschaft der Artikel „Leben hat seinen Preis“ von Anette Dowideit. Der Artikel geht um die Behandlung von Krebs, insbesondere um die Behandlung von Eierstockkrebs, Brustkrebs, Leukämie und von Glioblastomen (Hirntumoren) mit Methadon. Es werden viele Einzelfälle aufgelistet und es wird bedauert, dass weder die Pharmaidustrie noch die Deutsche Krebshilfe bereit sind, wissenschaftliche Studien zu finanzieren. Der Grund hierfür ist offensichtlich: Mit Methadon lässt sich kein Geld, Ruhm oder Ehre verdienen.

Da somit leider die Datenlage äußerst gering ist und ich mich hier nicht auch mit Einzelfällen abgeben will, will ich im folgenden eine kleine Übersicht der wissenschaftlichen Fachartikel zum Thema Mathadon und Krebs im Dezember 2016 geben.

Apoptose

Die Apoptose, also der programmierte Zelltod, stellt den wichtigsten Mechanismus bei der Bekämpfung der Krebszellen dar. Hierfür gibt es zwei grundlegende Abläufe:

  • Der extrinsische Weg
  • Der intrinsische Weg

Die Aktivierung eines dieser Pfade führt zur Aktivierung sogenannter Caspasen. Die Caspasen sind verschiedene Enzyme, die über eine Caspasekaskade bestimmte Zellen vernichten. 

Bei den meisten Krebsarten ist dieses Apoptosenprogramm irgendwo unterbrochen oder gestört.

Doxorubicin

Doxorubicin ist ein Zytostatikum und wird zur Chemotherapie bei der Behandlung von Tumoren eingesetzt.  Doxorubicin bindet an DNA und verhindert damit die Vervielfältigung der Erbinformationen; Zellteilung und Zellfunktion werden also behindert. Nebenwirkungen sind Übelkeit, Anämie und Organschäden.

Methadon bei Glioblastomen

Das Glioblastoma multiforme ist der häufigste bösartige Hirntumor mit gleichzeitig einer sehr schlechten Prognose. Die Veröffentlichung unter Punkt (1) von der Arbeitsgruppe um Dr. Claudia Friesen in der Zeitschrift Cell Cycle im Jahre 2014 stellt die Grundlage für den oben erwähnten Artikel in der Welt dar.

Es konnte gezeigt werden, dass cyclisches Adenosinmonophosphat (cAMP) das Zytostatikum Doxorubicin, behindert (5,6). D,L-Methadon hingegen reguliert cAMP und andere wichtige Proteine, die die Apotose verhindern, über bestimmte Rezeptoren herunter (1, 3). Wenn die Proteine, die die Apotose verhindern, durch Methadon herunter reguliert wurden, können die Tumorzellen vom Doxorubicin zerstört werden (1).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Methadon zusammen mit einer Chemotherapie das Wachstum von Glioblastomtumoren signifikant verhindert; zumindest in vitro mit Glioblastomtumoren und bei Einzelfällen beim Menschen. Da eine klinische Studie aus oben genannten Gründen nicht finanziert wird, wird es wohl auch in Zukunft bei Einzelfallstudien bleiben.

Methadon bei Leukämie

Es gibt mehrere Veröffentlichungen die belegen, dass D,L-Methadon die Apoptose (programmierter Zelltod) bei Leukämie einleiten und eine Chemotherapie mit Doxorubicin (Zytostatikum) unterstützen (1,2,3,). Weiter konnte gezeigt werden, dass Methadon die Aufnahme von Doxorubicin in Leukämiezellen erhöht (3).

Es konnte gezeigt werden, dass cyclisches Adenosinmonophosphat (cAMP) das Zytostatikum Doxorubicin, behindert (5,6). D,L-Methadon hingegen reguliert cAMP und andere wichtige Proteine, die die Apotose verhindern, über bestimmte Rezeptoren herunter (1, 3). Wenn die Proteine, die die Apotose verhindern, durch Methadon herunter reguliert wurden, können die Tumorzellen vom Doxorubicin zerstört werden (1).

Methadon bei Lungenkrebs

Methadon kann das Wachstum und die Lebensdauer von Lungenkrebszellen signifikant behindern (9, 11). An den Membranen von Lungenkrebszellen sind Rezeptoren für Opoide, so könnte Methadon die Zellteilung blockieren und Nikotin kann diesen Effekt wieder aufheben (9). In der Veröffentlichung von 1992 wird vorgeschlagen, Methadon in frühen Stadien von Lungenkrebs einzusetzten (9). Ähnliche Ergebnisse lagen damals auch für Brustkrebs, für Leukämie und Darmkrebs vor (9, 11).

Methadon bei Schmerzen

In der Palliativpflege ist ein gutes Schmerzmanagement wichtig. Ein signifikanter Anteil der Patienten die mit  Morphium behandelt werden, leiden aber unter unerwünschte Nebenwirkungen oder ungenügender Schmerzlinderung. Diese Patienten werden oft auf alternative Opiate umgestellt. Studien haben ergeben, dass Methadon wirksam bei der Linderung von Krebsschmerzen ist und ähnlich sicher bei der Schmerzbehandlung wie Morphium ist (7,8).

Es gibt Studien, die zeigen, dass die klinische Anwendung von Morphium möglicherweise schädlich ist bei Patienten mit Angiogenese abhängigen Krebsarten wie Brustkrebs (10, 12).

Analgesie

Unter Analgesie versteht man in der Medizin das Ausschalten von Schmerzen als Schmerztherapie.

Nebenwirkungen von Methadon

Die Nebenwirkungen von Methadon nach (13) sind

  • Endokrinopathien – Störung der Hormonproduktion, -regulation oder -wirkung mit den dadurch ausgelösten Symptomen.
  • Immunsuppression – Unterdrückung des Immunsystems
  • Neurokognitive Beeinträchtigung.
  • Zellzyklusstörungen.
  • Osteoporose

(1) Opioid receptor activation triggering downregulation of cAMP improves effectiveness of anti-cancer drugs in treatment of glioblastoma. Claudia Friesen et. al. Cell Cycle. (2014)

(2) Methadone, commonly used as maintenance medication for out- patient treatment of opioid dependence, kills leukemia cells and overcomes chemoresistance. Friesen C, Roscher M, Alt A, Miltner E..Cancer Res (2008)

(3) Cell death sensitization of leukemia cells by opioid receptor activation. Friesen C, Roscher M, Hormann I, Fichtner I, Alt A, Hilger RA, Debatin KM, Miltner E. Oncotarget (2013)

(4) Induction of apoptosis in pediatric acute lymphoblastic leukemia (ALL) cells by the therapeutic opioid methadone and effective synergy with Bcl-2 inhibition. Singh A, Jayanthan A, Farran A, Elwi AN, Kim SW, Farran P, Narendran A. Leuk Res (2011)

(5) Promoter hypomethylation regulates CD133 expres- sion in human gliomas. Tabu K, Sasai K, Kimura T, Wang L, Aoyanagi E, Kohsaka S, Tanino M, Nishihara H, Tanaka S. Cell Res (2008)

(6) Arsenic reverses glioblastoma resistance to mTOR-targeted therapies. Iwanami A, Cloughesy TF, Cavenee WK, Mischel PS. Cell Cycle (2013)

(7) The role of methadone in cancer pain treatment—a review. W. Leppert. Int J Clin Pract, 63 (2009)

(8) Methadone for cancer pain. E.E. Prommer. Palliat Care Res Treat, 4 (2010)

(9) Nonconventional opioid binding sites mediate growth inhibitory effects of methadone on human lung cancer cells. Rhoda Maneckjee, John D. Minna. PNAS (1992)

(10) Morphine stimulates angiogenesis by activating proangiogenic and survival-promoting signaling and promotes breast tumor growth.Gupta K, Kshirsagar S, Chang L, Schwartz R, Law PY, Yee D, Hebbel RP. Cancer Res. (2002)

(11) Effects of bombesin on methadone-induced apoptosis of human lung cancer cells. Wendy L. Heusch, Rhoda Maneckjee. Cancer Letters (1999)

(12) Morphine Cross-Reacts with Somatostatin Receptor SSTR2 in the T47D Human Breast Cancer Cell Line and Decreases Cell Growth. Anastassia Hatzoglou, L’Houcine Ouafik, Efstathia Bakogeorgou, Kyriaki Thermos, Elias Castanas. Cancer Research. (1995)

(13) Chronic opioid therapy in long-term cancer survivors. Carmona-Bayonas et al. Clinical and Translational Oncology. (2016)

 

Text und Fotos dürfen unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.

Phageom und Mikrobiom

Dezember 2016

Da das Phageom (eng. phageome) ein Großteil unseres Mikrobioms darstellt, es immer mehr Hinweise gibt wie wichtig es für unsere Gesundheit ist, und es leider bis jetzt von den deutschsprachigen Medien vollkommen ignoriert wird, will ich hier das bis jetzt (Dezember 2016) bekannte aus der englischen Fachliteratur zusammentragen.

Phage

Phagen

Phagen sind schon sehr lange bekannt und wurden von Frederick Twort im Jahre 1915 und später von Felix d’Herelle 1917 entdeckt. Phagen sind alle Viren die Bakterien zu ihrer Vermehrung benötigen, auf ein Bakterium sollen mengenmäßig etwa 10 Phagen kommen. Damit hat jeder Bakterienstamm seit Jahrmillionen mit seinen eigenen spezifischen Viren zu kämpfen, denn Phagen sind sehr wirtsspezifisch. Natürlich haben Bakterien ein Immunsystem und können sich auch Phagen zu Nutzen machen. So befinden wir uns in  einem andauernden Wettlauf der Evolution von Bakterien gegen Phagen und auch von Bakterien und Phagen gegen Bakterien.

Ja, wir befinden uns mittendrin. Unser Körper hat etwa zwischen 10 bis 900 Billionen Zellen, auf eine menschliche Zelle kommt etwa eine Bakterie, das macht dann mehrere Billiarden Phagen pro Mensch (1+2).

Es gibt somit eine unerforschte Unmenge an verschiedenen Phagen, da es ja auch Unmengen an verschiedenen, zum Teil unerforschten Bakterien gibt. Am besten erforscht sind Phagen von Escherichia coli, sogenannte T4-Phagen und Lambda-Phagen (Phage λ). Dies hat damit zu tun, dass E. coli, das sogenannte Haustier von Biologen, sich relativ einfach im Reagenzglas halten lässt und im Normalfall für den Menschen harmlos ist. Phagen sind zwischen 20 – 200 nm gross. Der relativ grosse T4 Phage ist mit 200 nm einer der Grossen. E. coli ist im Vergleich dazu 0.5 μm x 2 μm, also 500 x 2000 nm gross.

Ein Phage injiziert sein Genom aus DNA oder RNA in eine Bakterienzelle.

Vermehrung der Phagen

Da es sehr viele verschiedene Phagen gibt, gibt es auch genau so viele Strategien der Phagen eine Bakterienzelle zu „entern“. Aber eins ist allen Viren gemeinsam: Sie brauchen eine Zelle, um sich zu vermehren. Bei Phagen unterscheidet man grundsätzlich zwei verschiedene Gruppen, wobei die Übergänge fließend sein können.

  1. Lytische Phagen: Der Phage vermehrt sich sofort in der Zelle explosionsartig und bringt diese dann zum platzen und freisetzten neuer Viren.
  2. Lysogene Phagen: Der Phage baut erst mal nur seine DNA in das Bakterium mit ein und tötet diese nicht sofort.

Das Mikrobiom

Als das Mikrobiom wird die Gesamtheit aller Mikroorganismen bezeichnet, die ein Lebewesen besiedeln. Heute wird auch das Virom mit dazu gezählt. Das Mikrobiom beseht also aus Bakterien, Pilzen, Algen, Protozoen und eben dem Virom mit dem Phageom. Ein Teil des Mikrobioms ist die Darmflora.

Das Phageom

Das Virom ist die Gesamtheit aller Viren die ein Lebewesen besiedeln. Teil des Viroms ist das Phageom. Also der Teil der Viren die man auch als Bakteriophagen bezeichnet und die sich ausschließlich in Bakterien vermehren.

phagen2

 

 

Forschung zum Phageom

Im September 2016 ist ein faszinierendes Paper zum Phageom in PNAS erschienen:

Healthy human gut phageome (3)

Die Veröffentlichung dreht sich um das „healthy gut microbiome“, also eine gesunde Darmflora. Teil dieser „gesunden Darmflora“ ist ein gesundes Phageom. Dieses gesunde Phageom hilft und unterstützt eine gesunde Darmflora. Das gesunde Phageom besteht aus etwa 35-2800 verschiedenen Arten an Phagen (5), von denen die meisten absolut unbekannt sind und keine Ähnlichkeit zu bekannten Phagen haben.

In der Studie zum „gesunden Phageom“ wurden 44 Gruppen von Bakteriophagen untersucht, die bei gesunden Probanden gefunden wurden. Es konnte gezeigt werden, dass Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa (chronisch-entzündlichen Darmerkrankung) ein verändertes Phageom haben. Es wird eine direkte Beziehung zwischen einem gesunden Mikrobiom und einem gesunden Phageom gezogen.

Dieser Abschnitt kann die nächsten Jahre (hoffentlich) mit interessanten Forschungen erweitert werden.

Spekulationen zum Phageom

Das Phageom wird allem Anschein nach in den ersten Lebenswochen vererbt und scheint essentiell für das weitere Leben zu sein. Es ergeben sich Hinweise darauf, dass unser Körper Phagen zur virologischen Abwehr von bakteriellen Erkrankungen einsetzen kann. Auch scheint das Phageom ausgesprochen wichtig beim horizontalen Gentransfer. So werden nicht nur Antibiotikaresistenzen auf Bakterien verteilt, auch können Phagen für den Menschen nützliche Gene konservieren; z.B. Gene „guter“ Bakterien, nach einem Einsatz von Antibiotika.

Mit den Möglichkeiten der Tiefen-Sequenzierung (Sequenzierung im Hochdurchsatzverfahren) wäre es heute möglich, einen tieferen Einblick in das Phageom zu bekommen. Leider sind die Prioritäten in der deutschen Wissenschaft heute deutlich wo anders gesetzt.

phagen2

Weiterführende Veröffentlichungen über Phagen jenseits der Englischen Fachliteratur habe ich hier zusammengetragen http://hmjaag.de/phagenlinks/

Wer gerne zusätzliche Infos will, hat oder gerne darüber diskutiert, der ist in meinem Phagen Forum willkommen: http://www.dr-nepomuk.de/forum/

(1) The phage-host arms race: Shaping the evolution of microbes. Adi Stern, Rotem Sorek. BioEssays (2011).

(2) Revised estimates for the number of human and bacteria cells in the body. Ron Sender, Shai Fuchs, Ron Milo. Biorxiv (2016).

(3) Healthy human gut phageome, Manrique et al., PNAS (2016)

(4) Gut microbiota modulate host immune cells in cancer development. Erdmann and Poutahidis, Free Radical Biology and Medicine (2016).

(5) The human gut virome: Inter-individual variation and dynamic response to diet. Minot et al. Genome Research (2011).

 

 

Der Text und die Abbildungen dürfen unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.

Impfungen

Februar 2015

Impfungen für den Hund

Das Impfen ist ein stark diskutiertes Thema und oft prallen leidenschaftliche Behauptungen von Impfkritikern auf eine finanzstarke Lobby der Pharmaindustrie. Wir wollen hier auf die wichtigsten Argumente in dieser Diskussion eingehen und diese auch etwas erläutern.

Wenn Sie mit Ihrem Hund ins Ausland reisen wollen, benötigt Ihr Tier die jeweils vorgeschriebenen Impfungen und einen gültigen EU Heimtierausweis. Jedes Land und jede Veranstaltung hat etwas andere Anforderungen. Wenn Sie verreisen wollen, finden Sie auf der Seite Pets on Tour sehr viele gute Ratschläge. Was zum Beispiel allen Vorschriften in allen Ländern gemeinsam ist, ist eine gültige Tollwutimpfung und die Kennzeichnung Ihres Hundes per Mikrochip. Beides muss im blauen EU-Heimtierausweis dokumentiert sein. Einige Länder fordern eine jährliche Auffrischung, andere nur alle 5 Jahre. Deshalb ist es ratsam sich vorher eingehend zu informieren um vor bösen Überraschungen sicher zu sein. Wenn bei einem Hund ein Tollwutverdacht vorliegt und er nach den jeweiligen Bestimmungen keine gültige Tollwutimpfung hat, kann eine sofortige Tötung angeordnet werden. Eine Behandlung von erkrankten und verdächtigen Tieren ist gesetzlich verboten.

Bevor wir näher auf das komplexe Imfpgeschehen eingehen, kommt hier erstmal eine Übersicht der gängigen Impfungen die zur Verbeugung durchgeführt werden können. Man unterscheidet zwischen inaktiven und Lebendimpfstoffen. Lebendimpfstoffe enthalten den abgeschwächten Erreger, welcher zwar eine Immunantwort auslösen aber nicht zur Erkrankung führen kann. Inaktive Impfstoffe enthalten den getöteten Erreger oder Bestandteile von Viren oder Bakterien, welche dann die Immunantwort auslösen. Hunde werden in der Regel gegen folgende Krankheiten geimpft (alphabetische Reihenfolge):

datei-04-10-16-14-01-01

Borreliose – Infos über Borreliose 
Lyme-Borreliose Komplex (B), 8. + 12. Woche, optionale Auffrischung jährlich.
Komplex der Borrelia Bakterien umfasst weltweit 12 Spezies. Seit 2010 ist eine Impfung gegen die  Borrelien-Spezies B. afzelii und garinii erhältlich. Hier gibt es einen sehr guten Übersichtsartikel von Herrn Professor Friedrich, bei dem man die Schlussbemerkung beachten sollte.

Hepatitis  – Infos über Hepatitis beim Hund 
Canines Adenovirus (Hcc), 8. + 12. + 16. Woche, optionale Auffrischung jährlich.
Sehr wirksame Immunprophylaxe mit einem nah verwandten Virus, dem caninen Adenovirus 2 (CAV-2).

Leptospirose  – Infos über Leptospirose leptospirose
Leptospirose (L), 8. + 12. Woche, jährliche Auffrischung.
Inaktivierte Impfstoffe mit Leptospira interrogans, Serotyp canicola und Leptospira interrogans Serotyp icterohaemorrhagiae. Impfstoff schützt nicht vor den Serotypen (L. pomona, L. Grippotyphosa), die zurzeit die meisten Infektionen verursachen (1). Es gibt allein in der Spezies Leptospira interrogans über 250 verschiedene Serotypen (2). Die Leptospirose ist auf den Menschen übertragbar und eine meldepflichtige Krankheit. Im Jahr 2011 sind, laut Robert-Koch Institut, 51 Menschen in Deutschland daran erkrankt. Nach der Grundimmunisierung muss eine jährliche Wiederholungsimpfung durchgeführt werden.

Parvovirose – Infos über Parvovirose
Provovirus (P), 8. + 12. + 16. Woche, optionale Auffrischung jährlich.
Es gibt inaktivierte Vakzine und Lebendimpfstoffe. Erfolg der Grundimmunisierung hängt vor allem vom richtigen Zeitpunkt der Impfung ab. Siehe weiter unten „immunologische Lücke“. Für eine Wiederholungsimpfung kann der Parvovirusantikörper-Titer im Blut zur Entscheidung über die Notwendigkeit herangezogen werden.

Staupe – Infos über Staupe
Distemper (S), 8. + 12. + 16. Woche, optionale Auffrischung jährlich.wpid-10055
Es gibt verschiedene Impfstoffe, aber nur die Lebendimpfstoffe haben sich als wirksam erwiesen. Der Erfolg der Impfung und Grundimmunisierung hängt wie bei der Parvovirose vom richtigen Zeitpunkt der Impfung ab. Siehe weiter unten „immunologische Lücke“. Für eine Wiederholungsimpfung kann der Antikörper-Titer im Blut zur Entscheidung über die Notwendigkeit herangezogen werden.

Tollwut – Infos über Tollwut 
Rabies (T), 12. + 16. Woche, optionale Auffrischung jährlich.
Gegen die Tollwutviren sind nur inaktivierte Impfstoffe in Verbindung mit einem Adjuvans zugelassen. Sowohl bei Erstimmunisierungen, als auch bei Wiederholungsimpfungen gilt der Impfschutz für den Zeitraum, den der Impfstoffhersteller für eine Wiederholungsimpfung angibt. Eine Tollwutimpfung sollte möglichst als Einzelimpfung vorgenommen werden. Eine Auffrischimpfung mit einem Einzelimpfstoff erzielt einen besser nachweisbaren Tollwutantikörper-Titer im Blut.

Zwingerhusten – Infos über Zwingerhusten
Zwingerhustenkomplex, canine infektiöse Tracheobronchitis (PI), 8. + 12. Woche, optionale Auffrischung jährlich.
Für die Prophylaxe stehen Lebendimpfstoffe zur Verfügung, die Einzelkomponenten (Bordetella bronchiseptica) und auch Kombinationen enthalten können. Da die Impfung nicht das gesamte Erregerspektrum des Zwingerhustenkomplexes abdeckt und das Krankheitsgeschehen zudem von weitere Faktoren beeinflusst wird, bewirkt die Impfung keinen vollständigen Schutz. Die Impfung ist nur für Welpen unter intensiven Aufzuchtbedingungen, in Tierheimen und Tierpensionen zu empfehlen.
Außerdem gibt es noch einen kombinierten Impfstoff (BbPi), welcher aktiv gegen Bordetella bronchiseptica und das Canine Parainfluenza-Virus immunisiert. Dieser Impfstoff wird über die Nasenschleimhäute des Hundes verabreicht und ist zur Vorsorge bei kurzzeitig erhöhter Infektionsgefahr wie zum Beispiel vorübergehendem Aufenthalt in einem Zwinger oder einer Tierpension empfohlen.

Wer sich genauer informieren will, kann sich die Leitlinie zur Impfung von Kleintieren der ständigen Impfkommission im Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. genauer anschauen:

Leitlinie zur Impfung von Kleintieren

leitlinie-2009

Hier geht’s zur Liste der zugelassenen Hundeimpfstoffe vom Paul-Ehrlich-Institut:  pe

Hundeimpfstoffe

wpid-10055Das Prinzip der Impfung anhand der Geschichte

Was eine Impfung ist, lässt sich anhand der Geschichte und am Beispiel der Pocken am einfachsten erklären.

Die Pocken, oder auch Blattern, waren eine gefährliche Viruskrankheit, die über Jahrtausende nicht zu heilen war, wirkungsvolle Vorbeugungsmaßnahmen gab es auch nicht, und an der etwa 30% aller infizierten Menschen starben. Im Jahre 1794 machte sich Edward Jenner ein uraltes Wissen zu Nutze, nach dem einmal von den Pocken genesene Menschen nie mehr an dieser Krankheit litten. Jenner benutzte zum Immunisieren die für den Menschen relativ ungefährlichen und nahe verwandten Kuhpocken.

Was beim Immunisieren passiert, ist im Grunde ein „scharfmachen“ vom körpereigenen Immunsystem. Man zeigt dem Immunsystem den Eindringling und der Organismus bildet Antikörper dagegen. In dem Beispiel hat Jenner dies anhand der relativ ungefährlichen Kuhpocken getan.

Hier zeigt sich auch schon die Problematik der Impfung: Man braucht etwas relativ ungefährliches, das man dem Immunsystem zeigen kann, aber das auch ähnlich genug mit dem gefährlichen Erreger ist, um diesen effektiv zu erkennen und unschädlich zu machen.

Dies lässt sich auch wieder gut anhand der Pocken zeigen. So ist eine Impfung mit dem Kuhpockenerreger zwar relativ ungefährlich, aber trotzdem sterben etwa zwei Menschen pro einer Million Geimpfter an den Kuhpocken. Dies erscheint wenig angesichts der Schwere der Erkrankung, aber für diese zwei Menschen und deren Familien ist dies natürlich unerheblich.

So stellt und stellte sich immer wieder die Frage der Gefahr einer Impfung im Kontext zur Gefahr einer Erkrankung. Hinzu kommt: Je höher der Prozentsatz der Geimpften ist, um so geringer ist das Risiko eines Einzelnen an der Krankheit zu erkranken.

Zusammenfassend kann man sagen, dass diejenigen, die das Risiko der Impfung auf sich nehmen, nicht nur gegen die Krankheit relativ gut geschützt sind, sondern auch diejenigen schützen, die das Risiko einer Impfung nicht auf sich nehmen wollen oder dazu keine Möglichkeit haben.

Das Impfrisiko und seine Bedeutung

Anhand der Kuhpocken und der Pocken kann man erkennen, dass die Frage des Risikos immer eine statistische Abwägung ist. Solange die Pocken überall verbreitet waren und alle Menschen direkt bedroht haben, war eine Impfung aller Menschen sicher wichtig. Seit die Pocken aber fast ausgerottet worden sind, konnte man in den 1970er Jahren die Impfpflicht aufheben, da das Impfrisiko bei weitem über der Gefahr einer Erkrankung lag.

Es wird zwischen LebendimfstoffenTotimpfstoffen und Adjuvanzien unterschieden. In der Immunologie werden Adjuvanzien eingesetzt, um die Immunantwort auf eine verabreichte Substanz zu steigern. Man braucht also beim Einsatz eines Adjuvans weniger vom Erreger oder sogar nur einzelne Zellwandproteine von diesem, um eine Immunantwort zu erreichen.

All diese verschiedenen Möglichkeiten haben ihre ganz spezifischen Risiken und Vorteile. Da man nicht in die Zukunft schauen kann, wie sich Krankheitserreger und deren Pathogenität entwickeln, kann jede einzelne Impfung nur eine Abwägung vom Risiko und Nutzen sein. Hilfreich bei dieser Abwägung ist erst einmal zu wissen, wie gefährlich eine Krankheit ist und ob man überhaupt impfen kann. Wenn man impfen kann, sollte man schauen, in welcher Form geimpft wird. Gegen welchen Erreger wird geimpft? Bei der Borreliose gibt es zum Beispiel 12 Spezies. Nützt es mir den Hund gegen nur eine Spezies davon zu impfen? Wem nützt es einen Hund gegen einen einzelnen Stamm aus dem Zwingerhustenkomplex zu impfen?

Des Weiteren sollte man auch beim Impfschutz die Möglichkeiten und Unterschiede von Grundimmunisierung, Auffrischimpfungen, die „Immunologische Lücke“ und die Antikörper-Titerbestimmung im Blut in betracht ziehen. Hierauf wollen wir im nächsten Kapitel eingehen.

husky

Die Grundimmunisierung, der Impfschutz und die „immunologische Lücke“

Wie schon oben erwähnt, sagt man bei einer Impfung dem Immunsystem was es bekämpfen soll. Das Immunsystem produziert daraufhin Antikörper und der Körper macht sich bereit, alles was genauso aussieht zu bekämpfen.

Der Welpe hat zum Zeitpunkt seiner Geburt bereits ein voll entwickeltes Immunsystem, aber die Antikörper sind noch von seiner Mutter. Nach der Geburt werden weitere Antikörper mit der Muttermilch aufgenommen. Diese maternellen Antikörper werden nach und nach abgebaut und diese Restmenge an mütterlichen Antikörpern kann die Impfung stören. Diese kritische Phase wird als „immunologisch Lücke“ bezeichnet. Deshalb steht auch auf den Beipackzetteln für Staupe-, Hepatitis-, Leptospirose- und Parvovirose-Impfstoffen: “Der Impfplan muss die beim Welpen vorhandenen, kolostral vermittelten maternalen Antikörper berücksichtigen”.

Der richtige Zeitpunkt zum Impfen ist also erst nachdem alle mütterlichen Antikörper abgebaut sind. Durch eine Antikörper-Titerbestimmung im Blut läßt sich der optimale Impfzeitpunkt und auch der Erfolg der Impfung nachweisen.

Wegen der unterschiedlichen Zusammensetzung der Impfstoffe sollten die Impfstoffe vom gleichen Hersteller sein. Die Dauer des Impfschutzes nach erfolgreicher Grundimmunisierung ist unterschiedlich. Bei Viruskrankheiten wie Staupe, Hepatitis und Parvovirose kann man von mindestens 7 Jahren ausgehen. Bei Tollwut sollte man, auch wegen gesetzlichen Vorgaben, unter vier Jahren bleiben. Wenn man sich nicht sicher ist, kann man den Antikörper-Titer bestimmen lassen.

Hier soll noch erwähnt werden, dass neben der „immunologischen Lücke“ auch Stress oder Krankheit den Impferfolg beeinträchtigen können.

cody

Gefahren der Impfung

Heute bestreitet niemand mehr, dass es Impfschäden gibt. Gerade die früher viel zu häufig durchgeführte Tollwutimpfung kann zu einigen gesundheitlichen Problemen führen. In Deutschland gibt es eigentlich nur vier wichtige Impfungen für den Hund. Dies sind

  • Staupe (S)
  • Hepatitis (Hcc)
  • Parvovirose (P)
  • Tollwut (T)

Je nach persönlichem Risiko, zum Beispiel wenn der Hund gern aus Pfützen trinkt, ist auch die Impfung gegen Leptospirose empfehlenswert. Fragen Sie hierzu Ihren Tierarzt.

Falls man nicht ins Ausland reisen will, könnte für Staupe, Hepatitis und Parvovirose eine erfolgreiche Grundimmunisierung ausreichen. Wobei man darauf achten sollte, ob die Grundimmunisierung (Bluttest) auch erfolgreich war.

Bei der Tollwutimpfung wird es etwas komplizierter, da man unbedingt die gesetzlichen Vorgaben erfüllen sollte. Die Vorgaben in Deutschland sind heute eine Grundimmunisierung und eine Auffrischung, die der Impfstoffhersteller für die jeweilige Wiederholungsimpfung angibt. Hier kann man sich einen Impfstoff aussuchen, der nur alle drei oder vier Jahre aufgefrischt werden muss. Gerade kleine Hunde oder Hunde mit Autoimmunkrankheiten können aber durch wiederholte Tollwutimpfungen Schaden erleiden. Wenn Sie sich wegen Vorerkrankungen oder aus anderen Gründen Sorgen um Ihren Hund machen, lassen Sie regelmäßig den Antikörper-Titer bestimmen. Dieser wird mit dem „Fluorescent Antibody Virus Neutralization (FAVN) Test“ bestimmt und sollte über 0,5 IU/ml liegen. Bitte beachten Sie, dass Sie aber auch hierfür eine erfolgreiche Grundimmunisierung benötigen. Die Titerbestimmung können Sie in Ihren Heimtierausweis legen und haben für den Fall der Fälle eine sehr gute Argumentationshilfe.

Lassen Sie sich nicht verrückt machen. Es gibt sicher Hunde, die an Impfungen gestorben sind. Es gibt aber sehr viel mehr Hunde, die an vermeidbaren Krankheiten verendet sind. Nun haben Sie das nötige Wissen selbst zu entscheiden.

Wer gerne zusätzliche Infos will, hat oder gerne darüber diskutiert, der ist in meinem Forum willkommen: http://www.dr-nepomuk.de/forum/

wpid-10055

1. Prevalence of the Leptospira serovars bratislava, grippotyphosa, mozdok and pomona in French dogs. Claire Renaud et. al., The Veterinary Journal 196 (2013).

2. Leptospirosis. Center for Food Security and Public Health. College of Veterinary Medicine Iowa State University. (2005)

 

Text und Fotos dürfen unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.

Körpersprache und Mimik bei Hunden

April 2015

Lange hat niemand verstanden warum Hunde bei einer Gruppe von Menschen immer wissen, wer am ehesten heimlich Essen unter den Tisch fallen lässt. Heute scheint es, dass die Antwort ganz einfach ist: Die Tiere sind in der Lage, die menschliche Mimik zu lesen.

Ein Team von der University of Florida hatte bemerkt, dass Hunde die viel Kontakt mit Menschen haben, sehr stark auf verbale und nicht verbale Signale reagieren (1). Es gibt eine einfache Erklärung – die Hunde haben gelernt Leute zu beobachten und ihre Gesten zu lesen. Dies ist auch der Grund warum Hunde sich zu benehmen wissen, wenn wir dabei sind, aber sobald wir wegschauen wird der Schelm ausgepackt.

Lange Zeit haben Wissenschaftler die Fähigkeit von Hunden, die Mimik des menschlichen Gesichts zu sehen und zu interpretieren, unterschätzt. Es wurde davon ausgegangen, dass Mimik in der Kommunikation von Wölfen und Hunden keine so große Rolle spielt, wie in der Kommunikation von Primaten. Dies kam daher, dass die Forscher die Mimik einfach nicht sehen konnten, da die Ausdrücke sich sehr schnell, innerhalb von Millisekunden, ändern. Mit dem Fortschritt der modernen Foto-und Videoausrüstung hat sich dies geändert.

Ein gerne zitiertes Beispiel ist eine Situation in der sich zwei fremde Hunde treffen und sich für eine Weile nur gegenüber stehen und nichts tun. Bis auf ihre Nasen sieht man nicht, dass die Hunde miteinander kommunizieren. Allerdings würde eine empfindliche Videokamera festhalten können, dass in diesen wenigen Sekunden Hunde mit Hilfe ihrer Gesichtsmuskeln eine Menge erzählen. Diese Informationen decken den sozialen Status, ihre Rechte auf das Gebiet, die Höflichkeit und Einvernehmlich ab.

ice-tippi

Da Hunde und auch Wölfe durch die Gesichtsmuskeln kommunizieren, versuchen Sie natürlich auch beim Menschen herauszufinden was wir sagen. Sie bemerken die kleinsten und subtilsten Bewegungen der mimischen Muskeln, auch die, die Menschen nicht in der Lage sind wahrzunehmen. Mehrere Experimente mit Hunden fanden, dass die Tiere Menschen buchstäblich auf einen Blick verstehen (2).

Es stellte sich heraus, dass Hunde den Menschen besser lesen können, als Menschen sich gegenseitig. Unsere Gesichtsmuskeln spiegeln unsere Absichten und Wünsche wieder, ob wir es wollen oder nicht. Kein Mensch kann die unzähligen Muskeln in seiner Mimik jede Sekunde kontrollieren.

cody

Aufgrund der Tatsache, dass Hunde ein gutes Gedächtnis haben und dass sie schnell lernen die „Sprache“ der menschlichen Mimik und unsere Stimmung bewusst zu lesen, ist es nicht verwunderlich, dass es für Hunde nicht schwer ist den Menschen zu entschlüsseln (4). Natürlich lässt sich dies auch von uns lernen und viele Hundetrainer und Hundeerfahrene sprechen von „Intuition“.

Die Verhaltensforschung von Hunden ist ein sehr großes Gebiet mit unzähligen neuen Erkenntnissen und Veröffentlichungen. Ich will hier nur etwas auf einige ausgewählte neue Erkenntnisse in der Kommunikation eingehen. Falls Sie sich für ein spezielles Thema interessieren, können Sie auch gerne im Forum von Petsnature nachhaken oder bei einem Buchhändler Ihrer Wahl in der Fachliteratur schmökern.

Das Gähnen und Schnauze lecken

Ansteckendes Gähnen ist ein gut dokumentiertes Phänomen und erhält seit einiger Zeit viel Aufmerksamkeit in der Verhaltensforschung. Ansteckendes Gähnen konnte bei 69% der 4-14 Monate alten Welpen und sogar bei über 72% der erwachsenen Hunden nachgewiesen werden (3).

Des Weiteren ist Gähnen, wie auch die eigene Schnauze lecken, seit einiger Zeit als sogenanntes Beschwichtigungssignal bekannt. Also Hunde gähnen, oder lecken vor ihrer Nase, um eine Bedrohung abzuwehren und sich selber auch zu beruhigen. Wenn sich eine Person oder ein anderes Tier nähert, kann der Hund seinen Blick abwenden, lecken und dann gähnen. Der Hund sagt damit, dass er sich bedroht fühlt und dass er selber aber nicht angreifen will. Hunde nutzen diese Art der Körpersprache, um Konflikte zu vermeiden.

Beobachten Sie Ihren Hund, es gibt sicher viele Situationen in denen er beschwichtigt. So wenden sich viele Hunde ab und gähnen oder lecken, wenn Kinder oder Erwachsene streiten, wenn ein Kind den Hund umarmt oder bei anderen spannungsgeladenen Situationen.

Niki

 

Das Bewusstsein dessen, was Ihrem Hund Angst verursacht, kann Ihnen helfen zu verhindern, ihn diesen Situationen auszusetzen. Gerade das Lecken, kann sehr schnell und fast nicht wahrnehmbar sein. Man muss sich darauf trainieren es zu sehen. Wenn Sie schnell genug ihren Hund aus der Situation bringen können, zeigen Sie ihm, dass Sie sich kümmern und er es nicht selber in die Hand nehmen muss. Das Wissen darüber ist auch nicht zu unterschätzen, um Beissvorfälle – vor allem das Schnappen nach Kindern – zu verhindern. Jeder Hund warnt vor, man muss es nur sehen.

Sie können auch auf die selbe Art mit Ihrem Hund sprechen. Kein Hund nimmt es Ihnen übel wenn Sie ihm die Zunge raus strecken. Auch lassen sich viele Hunde durch Gähnen beruhigen, vor allem, wenn Sie ein ansteckendes Gähnen hin bekommen.

Der Schwanz

Der Schwanz kann sehr viel sagen, deshalb ist er auch für Hunde so wichtig. Nicht nur die Haltung vom Schwanz, die Höhe, die Art des Wedelns und Wackelns, auch die Richtungen sind sehr wichtig.

Wenn der Schwanz hoch gehalten wird, zeigt es normalerweise, dass der Hund aufmerksam ist. Der Schwanz zwischen den Beinen bedeutet, dass der Hund Angst hat. Wenn sich das Fell am Schwanz sträubt, ist der Hund bereit, sich selbst oder andere zu verteidigen.

Ein kurzes, langsames wackeln mit dem Schwanz ist ein Fragen und Unsicherheit. Groß und schnell wackeln Hunde die glücklich und aufgeregt sind. Je nach Haltung, kann dies aber auch Aggression signalisieren.

Des weiteren haben Hunde eine „Links-Rechts-Asymmetrie“ bei der der Schwanz während der Interaktion mit Fremden zeigt was Sache ist. Wenn der Schwanz eher nach rechts beim Wedeln gelagert ist, ist dies mit positiven Gefühlen verbunden. Der Hund freut sich und findet den anderen nett (5).

rechts

Ein weißer Punkt an der Schwanzspitze vereinfacht die Kommunikation. Hunde hingegen die keinen Schwanz mehr haben, müssen ihren Popo zur Hilfe nehmen und sind oft in der Kommunikation etwas sprachbehindert.

Ohren

Die Ohren zeigen meist in Richtung der Aufmerksamkeit. Stehohren nach vorne bedeutet, der Hund ist sehr aufmerksam und das Abknicken vom Ohr bedeutet Unterwürfigkeit oder aber auch, wenn die Zähne dazu gezeigt werden, Aggression.

Hunde mit Hängeohren können diese Signale nicht verwenden, was aber nicht sonderlich schlimm ist, da die Ohren ja automatisch angelegt sind. Schwierig wird es dann bei Hunden mit kupierten Ohren, weil diese die Ohren nicht mehr anlegen können und es so zu Missverständnissen kommen kann.

Nun wird also auch das erste Foto hier im Artikel klar:

spielen

 

Maul und Zähne

Wenn ein Hund stark die Lippen zurück zieht, kann dies zeigen, dass der Hund beißen will. Dies ist ein unbewusster Reflex, um die Lefzen von den Zähnen zu nehmen, damit er besser beissen kann. Allerdings ist dies weniger Kommunikation und die aggressive Absicht wird oft auch falsch interpretiert. Zum Beispiel werden viele Hunde ihre Lefzen kräuseln, wenn sie einen Keks oder Knochen nehmen wollen. Sie wollen sich ja nicht selbst auf die Lefzen beissen dabei.

Eine Form der Zähne entblößen ist das „unterwürfige Grinsen“. Dies bedeutet, dass der Hund es freundlich meint. In diesem Fall wird der Hund auch anderes Verhalten zeigen, wie Schwanzwedeln und gesenkte Körperhaltung. Manche Hunde zeigen eine unterwürfiges Grinsen, wenn sie bei etwas erwischt werden, was sie nicht hätten tun dürfen. Andere einfach auch nur, wenn sie sich freuen.

Eine sehr häufige Form der Kommunikation ist auch einen anderen Hund oder einen Menschen zu lecken. Hunde lecken anderen Hunden die Gesichter und Münder, wenn sie einander freundlich begrüßen. Lecken ist eine soziale Bindung analog zur sozialen Fellpflege die Primaten verwenden.

Augen

Hunde drücken sehr viel mit den Augen aus. So wird das direkte Anstarren in die Augen als Aggression gedeutet. Hunde die gut mit Menschen sozialisiert sind, wissen dass der Mensch es nicht so meint, werden aber sofort zur Seite schauen und auch Beschwichtigungssignale zeigen.
Deshalb starren Sie bitte fremden Hunden nie direkt in die Augen. Wenn es ein fremder Hund bei Ihnen tut, dann wenden Sie sich ab und beschwichtigen Sie, am besten mit Gähnen. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn sich zwischen Ihnen und dem Hund kein Zaun befindet.

husky

Wenn sie Ihren Hund zu sich rufen und ihm dabei aufrecht in die Augen starren, wir er ganz bestimmt nicht zu Ihnen kommen, sondern verlegen in den Ecken schnüffeln und beschwichtigen. Wenden Sie sich etwas von ihrem Hund ab, gehen sie in die Hocke und rufen Sie ihn leise. Sie werden sehen, ihr Hund versteht Sie jetzt.

 

 

 

1. Can your dog read your mind?: Understanding the causes of canine perspective taking. Udell MA, Dorey NR, Wynne CD. Learn Behav. (2011)

2. Dogs‘ comprehension of referential emotional expressions: familiar people and familiar emotions are easier. Merola I, Prato-Previde E, Lazzaroni M, Marshall-Pescini S. Anim Cogn. (2013)

3. Contagious yawning in domestic dog puppies (Canis lupus familiaris): the effect of ontogeny and emotional closeness on low-level imitation in dogs. Elainie Alenkær Madsen, Tomas Persson. Anim Cogn (2013)

4.  Are readers of our face readers of our minds? Dogs (Canis familiaris) show situation-dependent recognition of human’s attention. Márta Gácsi, Ádám Miklósi, Orsolya Varga, József Topál, Vilmos Csányi. Anim Cogn (2004)

5 . Seeing Left- or Right-Asymmetric Tail Wagging Produces Different Emotional Responses in Dogs. Marcello Siniscalchi, Rita Lusito, Giorgio Vallortigarasend email, Angelo Quaranta. Current Biology (2013)

 

Text und Fotos dürfen unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.

Leben mit einem Angsthund

Juni 2015

Wie beim Menschen gibt es auch bei Hunden unterschiedliche Persönlichkeiten. Der eine ist eher mutig und der andere fürchtet sich vor allem. Bei einem von Geburt an gut sozialisierten Hund dürfte die Angst selten die Oberhand gewinnen. Anders sieht es bei Hunden mit einem sogenannten Deprivationssyndrom aus.

Deprivationssyndrom

Die Deprivation bei Hunden entsteht durch einen Mangel an sozialen Interaktionen und an Umweltreizen in der Kindheit des Hundes. Dieser Mangel kann verschiedene Ursachen haben und bei Hunden von Züchtern ebenso auftreten wie bei Tieren vom Tierschutz. Die meisten Züchter versuchen ihre Tiere sorgfältig, zusammen mit einer gut sozialisierten Mutterhündin, aufzuziehen. Diese Züchter werden aber kaum ein Tier zu Ramschpreisen oder ohne ordentlichen Vertrag abgeben. Aus diesem Grund nenne ich alle anderen einfachheitshalber Vermehrer. Bei Hunden von Vermehrern kann man sich fast sicher sein, einen Hund mit einer Angststörung zu erhalten.

Diese Vermehrerhunde kommen oft aus einer reizarmen Umgebung (Stall oder Keller) und werden viel zu früh vom Muttertier getrennt. Aber auch Hunde von der Strasse, die schlechte Erfahrungen mit den Menschen gemacht haben, können unter dem Deprivationssyndrom leiden, wenn sie dann in eine Familie kommen.

Solange der Hund seine gewohnte Umgebung nicht verlässt, fallen keine Probleme auf. Sobald der Hund aber in eine ungewohnte Umgebung kommt entwickelt er je nach Situation und Charakter ein Angstverhalten.

Umgehen mit Angstverhalten

Zuerst möchte ich an dieser Stelle mit einem Mythos aufräumen, der schon vielen Menschen und Hunden das Leben schwer gemacht hat:

 Das Märchen man solle Angst bei Hunden ignorieren.

Eltern im Tierreich beschützen und trösten den Nachwuchs in Angstsituationen. Gute Menscheneltern würden ihr Kind in den Arm nehmen und versuchen ihm die Situation zu erklären.

Der Hund ist ein soziales Lebewesen wie der Mensch. Warum sollte man ihn in mit seiner Angst alleine lassen? Wieso sollte das Ignorieren von Angst diese verschwinden lassen? Ein Hund der mit seiner Angst alleine ist, wird Strategien entwickeln damit auch alleine umzugehen. Wollen wir das?

Wenn wir das nicht wollen, müssen wir erst einmal herausfinden wovor der Hund Angst hat, wie seine Strategie ist und dann seine Strategie bei Angst in eine von uns gewünschte Richtungen lenken.

Was ist Angst?

Alle Lebewesen kennen Angst und die damit verbundenen Reaktionen. Angstreaktionen werden durch das Unterbewusstsein ausgelöst und müssen zum Überleben möglichst schnell erfolgen. In Sekundenbruchteilen kommt es bei Angst zu einer „Fight-or-flight-Reaktion„. Das Gehirn setzt  Adrenalin frei und zusätzlich können Hormone wie Cortisol gebildet werden.

Was diese Angstreaktion auslöst kann sehr unterschiedlich sein und bei angstgestörten Hunden sind dies oft unzählige Dinge und Situationen. Wenn man dies ignoriert, werden es immer mehr Situationen. Wollen wir also diese Angstreaktion verhindern, dürfen wir es gar nicht so weit kommen lassen.

Angstreaktion verhindern

Wenn Sie die Gegenstände oder Situationen kennen die bei Ihrem Hund eine Angstreaktion auslösen, meiden Sie diese erst einmal. Sie müssen Ihren Hund nicht in Watte packen, aber wenn Sie merken Ihr Hund fängt nervös an einen Gegenstand zu fixieren, zwingen Sie ihn nicht weiter. Die meisten Hunde können keine Leckerlies mehr annehmen vor Angst. Dies ist ein gutes Zeichen, dass Sie zu weit gegangen sind.

Angst vor Gegenständen oder Örtlichkeiten

Mit der Angst vor unbeweglichen Objekten ist relativ einfach zu üben. Vielleicht möchten Sie sich vorher mit dem Clickertraining vertraut machen. Positives Training bewirkt gerade bei Angsthunden oft Wunder. Mit Gewalt verschwindet keine Angst.

Gehen Sie mit ihrem Hund zu dem Gegenstand, der ihm Angst macht. Reden Sie mit ihm und beobachten Sie den Hund genau. Wenn die Angst zu groß wird, drehen Sie um, bis der Hund sich entspannt. Dann versuchen Sie es erneut, vielleicht können Sie ihr Reden mit Leckerlies unterstreichen. Sobald der Hund zu nervös wird drehen Sie um. Zwingen Sie den Hund zu nichts, auch nicht zum Umkehren. Lassen Sie ihn das Objekt in Ruhe anschauen, wenn er will. Wenn der Hund panisch in die andere Richtung rennt bleiben Sie einfach stehen. Rucken Sie nicht an der Leine und lassen Sie sich nicht vom Hund ziehen. Sobald der Hund nicht mehr zerrt, gehen Sie weiter. Aber nur mit lockerer Leine. Dies erfordert Ausdauer, Zeit und gute Nerven. Deshalb machen Sie diese Übung nur, wenn Sie genügend Zeit und Ruhe haben.

Oft bieten Hunde irgendwann bei dieser Übung verschiede Verhaltensweisen an, wie sie mit der Angst umgehen wollen. Unser Angst-Cody setzt sich gerne auf meinen Fuß und schaut. Dies ist eine Reaktion, die von mir erwünscht ist und wird sofort belohnt.

Diese Übungen müssen über Tage, Wochen oder auch Monate konsequent wiederholt werden. Bei festen Objekten ist dies relativ einfach. Schwieriger wird es mit beweglichen Objekten, die meist viel furchteinflössender sind weil sie oft laut sind und gerne bedrohlich mit den Hunden interagieren.

Angst vor Kindern

Kinder sind nicht nur laut, sondern schauen Hunden auch gerne in die Augen und greifen danach. Für einen Hund der nicht mit Kindern sozialisiert wurde ist dies alles der pure Horror. Falls Sie kleine Kinder haben und einen Hund mit einer Angststörung, möchte ich Ihnen ernsthaft raten sich umgehend mit dem Tierschutz in Verbindung zu setzen. Sie werden es unmöglich schaffen dem Hund und den Kindern gerecht zu werden. Geben Sie den Hund ab. Falls Sie ältere Kinder haben überlegen Sie es sich gemeinsam mit den Kindern, ob Sie das alles schaffen können.

Einen Hund der Angst vor Kindern hat, kann man wohl dosiert an die kleinen Menschen gewöhnen. Lassen Sie die Kinder den Hund am Anfang nicht anschauen, hier bewirkt Nichtbeachtung wahre Wunder. Auch Locken mit Leckerlies ist erst mal keine gute Idee. Hierfür agieren die Kinder viel zu direkt mit dem Hund. Machen Sie ein Spiel, das Kindern und Hund Spaß macht.

Zum Beispiel kann das Kind hinter sich eine Spur aus Futter auslegen. Dabei wendet es sich vom Hund ab, kann ihn füttern und sich irgendwann später sogar suchen lassen. Das Kind kann dem Hund Leckerlies in einer Pappschachtel verpacken (Klopapierrolle, Eierkarton etc.) und dies dann für den Hund hinter sich auf den Boden legen. Durch das Verpacken gewöhnt sich der Hund an den Geruch und bekommt dann eine Belohnung.

Falls Sie selten Besuch von Kindern bekommen, kann es eventuell erst mal reichen, wenn Sie um Kinder einen Bogen machen und Ihren Hund langsam daran gewöhnen wie oben bei den Objekten. Hierzu eignet sich ein Spielplatz hervorragend. Lassen Sie unter keinen Umständen ein Kind ihren Hund streicheln, auch wenn Sie sich ganz sicher sind dass der Hund nicht beisst. Ein Angsthund ist für fremde Menschen nicht zum Anfassen. Es ist ihre Aufgabe ihn davor zu beschützen.

Angst vor Menschen

Hier ist es ähnlich wie bei Kindern. Machen Sie auf der Strasse einen Bogen um Menschen, lassen Sie Fremde nie den Hund anfassen. Zeigen Sie Ihrem Hund, dass Sie ihn beschützen. Besuch sollte ebenso den Hund nicht mit Leckerlies locken. Auch Besuch kann diese hinter sich legen, wenn er gerne füttern will. Direkt interagieren ist für den Hund beängstigend. Deshalb sind Hundehasser bei ängstlichen Hunden sehr beliebt: Sie schauen den Hund nicht direkt an und interessieren sich nicht. Das ist für den Hund weniger furchteinflössend.

Es ist wichtig, dass ein Angsthund einen festen Rückzugsort im Haus hat. Einen Kennel, eine Kiste oder einfach nur unter einer Eckbank. An „seinen“ Ort sollte er jederzeit flüchten können und dort lässt man ihn in Ruhe.

Wer gerne zusätzliche Infos will, hat oder gerne darüber diskutiert, der ist in meinem Forum willkommen: http://www.dr-nepomuk.de/forum/

cody

Empfehlungen

Es gibt heute sehr gute Literatur zu diesem Thema und auch einige Hundeschulen die mit Angsthunden arbeiten. Achten Sie auf jeden Fall darauf, dass nicht mit Zwängen oder Strafe gearbeitet wird. Jedwedes Einschüchtern, Erschrecken oder pauschale Problemlösungen sollten vermieden werden. Gehen Sie individuell auf Ihren Hund ein und folgen Sie im Zweifelsfalle Ihrem Bauchgefühl. Sie wollen ja Spaß am Leben mit Ihrem Hund. Sie können das!

„Leben will gelernt sein“ von Wiebke Wagemann und Birgit Laser.

„Die stille Kommunikation der Hunde verstehen“ von Rosie Lowry

„Clickertraining“ von Birgit Laser

Text und Fotos dürfen unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.

Das Mikrobiom und der Vagusnerv

Februar 2016, aktualisiert November 2016

Entgegen der Meinung, dass das Gehirn für den Darm verantwortlich ist, ist es tatsächlich so, dass der Darm weitaus mehr Informationen an das Gehirn sendet. Der alte Glaube, dass die Gesundheit im Magen beginnt scheint sich bei neuesten Forschungen immer mehr zu bewahrheiten.

Darmflora ist die Bezeichnung aller Mikroorganismen im Verdauungstrakt. Im menschlichen Darm sollen etwa 38 Billionen Bakterien leben (6). Dazu kommt noch das Phageom mit wohl 380 Billionen Phagen, das nach neuesten Erkenntnissen auch eine sehr große Rolle spielt (7). Die Oberfläche vom Darm hat etwa 32 m² (8).

.

S.-e+a

Bakterien auf Agar

Das Mikrobiom und der Vagusnerv

Neueste Forschung hat einen Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung unserer Darmflora und dem Funktionieren des Immunsystens, des Nervensystems und dem endokrinen (hormonelles) Gleichgewicht bestätigt. In einigen Untersuchungen wird diskutiert, ob Bakterien den Vagusnerv, der aus dem Verdauungstrakt in das Gehirns läuft, beeinflussen.

Es wird heute in der wissenschaftlichen Forschung untersucht inwieweit die Darmflora selber das Essverhalten des Menschen manipulieren kann (1). Wie bei jeder komplexen Interaktion, wie der vom menschlichen Nährstoffbedarf und dem Nährstoffbedarf der unterschiedlichen Darmflora, gibt es eine Mischung von gemeinsamen und auch entgegengesetzten Interessen, mit Möglichkeiten zum gegenseitigen Nutzen und auch Manipulation (1).

Dies bedeutet, dass ein breites Spektrum an verschiedenen Darmmikroben viel Energie und Ressourcen an die Bekämpfung der Konkurrenz verbraucht. Dagegen haben große Populationen einiger weniger Mikroben mehr Ressourcen den Wirt, also den Menschen, zu manipulieren. Zusätzlich ist eine große Population an gleichen Mikroben leichter in der Lage zu manipulieren, da sie sich besser Koordinieren können (sogenanntes Quorum Sensing). Aus diesen Gründen wird heute eine geringe Vielfalt in der Darmflora und dem Mikrobiom mit einer ungesunden Ernährung, verschiedenen Krankheiten und auch mit Übergewicht in Zusammenhang gebracht (1).

2015-12-27 18_45_33

Der Vagusnerv und seine Verbindungen zu den einzelnen Organen.

 

Warum Sie Ihre Darmflora optimieren sollten

In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass Menschen die viel fermentierte Lebensmittel zu sich nehmen, Nährstoffe besser aufschließen können (2, 9). Die Nebenprodukte der Gärung helfen unserem Körper Fett abzubauen und den Blutdruck zu regulieren (3). Auch beeinflussen sie die Zusammensetzung des Blutes, dienen als Neurotransmitter und regulieren die Funktion des Nervensystems (4). Bei der Fermentation produzieren einige Bakterien natürliche Antibiotika und Verbessern die Vitaminversorgung. Die Probiotika stärken das Immunsystem und unterstützen dabei die allgemeine Gesundheit des Verdauungssystems und des ganzen Körpers (1).

Ebenso führt eine pflanzenbasierte Ernährung zu einer verringerten Neurodegeneration und verringerten Entzündungsreaktionen im Körper. Die Phagozytose, also die Müllabfuhr im Körper, wird aktiviert. Ist die Phagozytose gestört, kommt es zu einer Anreicherung von fehlerhaften Proteinen. Durch die Ernährung und auch durch Fasten kann man die Phagozytose beeinflussen.

Mein Vortrag dazu bei nikoLAB:

 

(1) Is eating behavior manipulated by the gastrointestinal microbiota? Evolutionary pressures and potential mechanisms. Joe Alcock, Carlo C. Maley, C. Athena Aktipis. Bioessays (2014)

(2) Increased iron bioavailability from lactic-fermented vegetables is likely an effect of promoting the formation of ferric iron (Fe3+). Nathalie Scheers, Lena Rossander-Hulthen, Inga Torsdottir, Ann-Sofie Sandberg. European Journal of Nutrition. (2015)

(3) Blood Pressure-Lowering Peptides from Neo-Fermented Buckwheat Sprouts: A New Approach to Estimating ACE-Inhibitory Activity. Masahiro Koyama, Seiji Hattori, Yoshihiko Amano, Masanori Watanabe, Kozo Nakamura. PLOS ONE (2015)

(4) The gut microbiome and diet in psychiatry: focus on depression. Dash Saraha, Clarke Gerard, Berk Michaela, Jacka Felice. Current Opinion in Psychiatry (2015)

(5) The microbiome and critical illness. Robert P Dickson. The Lancet Respiratory Medicine (2015)

(6) Revised estimates for the number of human and bacteria cells in the body. Ron Sender, Shai Fuchs, Ron Milo. Biorxiv (2016).

(7) Healthy human gut phageome. Pilar Manrique, Benjamin Bolduc, Seth T. Walk, John van der Oost, Willem M. de Vos, Mark J. Young. PNAS (2016).

(8) Surface area of the digestive tract -revisited. Helander & Fändriks. Scandinavian Journal of Gastroenterology (2014).

(9) Role of gut microbiota and nutrients in amyloid formation and pathogenesis of Alzheimer disease. Francesca Pistollato, Sandra Sumalla Cano, I~naki Elio, Manuel Masias Vergara, Francesca Giampieri, Maurizio Battino. Nutr Rev. (2016)

 

Text und Fotos dürfen unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.

Untersuchungen von Hundekot mit der Moticam

 

Giardia

Giardia intestinalis

 

nematode2

Fadenwürmer (vielleicht Hakenwürmer, Uncinaria stenocephala) und Bakterien

nematode

Fadenwurm 400-fach

nematode1

Fadenwürmer (vielleicht Hakenwürmer, Uncinaria stenocephala) und Bakterien

 Wer gerne zusätzliche Infos will, hat oder gerne darüber diskutiert, der ist in meinem Forum willkommen: http://www.dr-nepomuk.de/forum/

 

Text und Fotos dürfen unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sanddorn

Sanddorn

Hippophae rhamnoides oder die Zitrone des Nordens, wie Sanddorn auch genannt wird, ist vor allem für seinen hohen Vitamin C Gehalt bekannt. Wobei Sanddorn bis zu 10 Mal mehr Vitamin C als eine Zitrone oder Orange haben kann. Aber auch Beta-Carotin, die Vorstufe von Retinol (Vitamin A), Gerbstoffe und Flavonoide sind wertvolle Inhaltsstoffe (1+2).

Tabelle 1 Inhaltsstoffe von Sanddorn nach Chirag et al. (2) und Saeidi et al (3)

Flavonoide  Isorhamnetin, Quercetin, Kaempferol. Flavonoiden werden besonders antioxidative Eigenschaften zugeschrieben.
Carotinoide Lycopin Lycopin zählt zu den Antioxidantien und kann bestimmte Moleküle im menschlichen Körper unschädlich machen.
 Provitamin A Beta-Carotin oder β-Carotin (Betacaroten) ist die Vorstufe von Retinol (Vitamin A).
Zeaxanthin Zeaxanthin kommt in der Retina vor und schützt die Netzhaut als Filter vor zu hoher Lichteinstrahlung. Es kann eventuell vor retinalen Degenerationen, insbesondere vor der  Makuladegeneration (AMD) schützen.
Fettsäuren Linolsäure, LinolensäureÖlsäure, Palmitinsäure
Palmitoleinsäure, Stearinsäure.
Sanddornöle enthalten einfach- und merhfach ungesättigten Fettsäuren.
Phytosterine Wirken sich über den Darm positiv auf den Cholesterinspiegel aus.
Vitamin A vor allem in Form von Carotinoiden.
B1 Auch Thiamin oder Aneurin genannt.
B12 Wird auf der Beere von Bakterien synthetisiert.
C Vitamin C, auch Ascorbinsäure genannt, ist ein Radikalfänger, hat eine antioxidative Wirkung und ist für den Kollagenaufbau wichtig.
E Auch Tocopherol genannt. Es ist lipidlöslichen Antioxidans das auch bei der Steuerung der Keimdrüsen aktiv ist.
K Aktiviert Gerinnungsfaktoren, Knochenproteine und das Zellwachstum.
P siehe Flavonoide

 

Sanddorn wird eine Reihe pharmakologischer Eigenschaften zugesprochen. Hier eine kleine Auswahl der wissenschaftlich fundierten Annahmen nach Chirag et al. (2) :

  • Als Thrombozytenaggregationshemmer soll Sanddorn die Verklumpung von Blutplättchen hemmen können.
  • Sanddorn wirkt antibakteriell und als Antioxidans.
  • Sanddornöl soll bei Magengeschwüren helfen.
  • Sanddorn wirkt entzündungshemmend.
  • Sanddornsaft wird krebshemmende Eigenschaften zugesprochen. Dies gilt für bestimmte Arten von Darmkrebs, Leukämie und Prostatakrebs.
  • Sanddornsaft kann heilende Wirkung auf die Leber haben.
  • Sanddorn hat positive Effekte auf das Herz- Kreislaufsystem und wirkt gegen hohen Blutdruck.
  • Sanddornöl wirkt beruhigend auf die Haut, vermindert Stresshormone und hilft bei der Wundheilung.

 

Sanddornsaft  kann man einfach selber machen. Hierbei ist auf den richtigen Zeitpunkt der Ernte zu achten. Wenn man zu spät erntet verlieren die Beeren ihre Farbe und können auch am Strauch schimmeln.

Hier ein Film zur Sanddornernte:

 

Wer gerne zusätzliche Infos will, hat oder gerne darüber diskutiert, der ist in meinem Forum willkommen: http://www.dr-nepomuk.de/forum/

(1) Nutritional Profile of Phytococktail from Trans-Himalayan Plants. Priyanka Dhar, Amol B. Tayade, Jatinder Kumar, Om P. Chaurasia, Ravi B. Srivastava, Shashi B. Singh. PLoS One (2013).
(2) Remedial Prospective of Hippophae rhamnoides Linn. (Sea Buckthorn). Chirag A. Patel, Kalyani Divakar, Devdas Santani, Himanshu K. Solanki, Jalaram H. Thakkar. ISRN Pharmacol. 2012
(3) Evaluation of chemical constitute, fatty acids and antioxidant activity of the fruit and seed of sea buckthorn (Hippophae rhamnoides L.) grown wild in Iran. Saeidi K., Alirezalu A., Akbari Z. Nat Prod Res. (2015)

 

Text und Fotos dürfen unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.

Barfußlaufschuhe

01.09.2016

Studien der University of Virginia, die auf dem Laufband mit 68 Joggern durchgeführt wurden, konnten zeigen, dass durch das Tragen von von Laufschuhen die Gelenke stärker belastet werden als durch Barfußlaufen. Moderne Laufschuhe würden zwar den Fuß stabilisieren, belasten dafür aber Knie-, Fuß- und Hüftgelenke weitaus stärker. Laut der Studie belastet gedämpftes Schuhwerk  die Hüfte um durchschnittlich um 54 % mehr und das Kniegelenk zwischen 36 % und  38 % stärker, als wenn man barfuß läuft (1).

vivo

Auch konnte in mehreren Veröffentlichungen gezeigt werden, dass einige Muskeln stärker aktiviert werden, wenn barfuß gelaufen wird (2). Sinclair et al. konnten auch zeigen, dass die Hüften beim Laufen mit Schuhen mehr gebeugt werden. Beim Barfußlaufen wird diese Energie mehr in die Knie verlagert. Aus diesen Gründen wird die Oberschenkelmuskulatur (Quadriceps) von Läufern mit konventionellen Schuhen mehr beansprucht. Es ist bekannt, dass überanspruchte Oberschenkelmuskeln  mit dem femoropatellaren Gelenk zusammenwirken. Femoropatellare Knieschmerzen sind die häufigste chronische Erkrankung von Läufern (2).

vivo3l

Eine weitere Beobachtung ist, dass das Sprunggelenk beim Barfußlaufen deutlich mehr Richtung Boden gespannt ist. Das heißt, dass der Barfußläufer weniger auf der Ferse läuft. Was wiederum bedeutet, dass viele Freizeitsportler dazu neigen, zu sehr auf der Ferse zu laufen, wodurch eine erhöhte Stoßbelastung und eine Instabilität des Fußes erzeugt wird (2).

Ebenso ist bekannt, dass die Schrittfrequenz beim Barfußlaufen deutlich erhöht ist. Eine erhöhte Schrittfrequenz
verringert die Energieabsorption während der Aufprallphase im Lauf.

vivo2

Konventionelle Laufschuhe sollen den Lauf dämpfen und den Fuß stützen.  Heute sind immer mehr Läufer in Barfuß- Schuhen unterwegs, um dem Fuß seine natürliche Bewegungsfreiheit zurückzugeben. Die stark gedämpften Laufschuhe sind zwar bequemer, allerdings steigt die Gefahr für chronische Schmerzen in Hüft- und Kniegelenken.

Inzwischen gibt es eine sehr große Auswahl an verschiedenen Barfuß Schuhen. Einige der Firmen habe ich hier kurz vorgestellt.vibram

Bär Bietet mit dünner Außensohle sowie festerem Obermaterial Schutz und trainiert außerdem den Fuß. Familienbetrieb in Bietigheim-Bissingen, Baden-Württemberg.
Leguano Bietet den geringeren Schutz und trägt sich eher wie eine Socke. Bietet dafür das dem Barfußlauf ähnlichste Gefühl. GmbH in Sankt Augustin, Nordrhein-Westfalen.
Merrell Bietet mit dünner Außensohle sowie festerem Obermaterial Schutz und trainiert außerdem den Fuß. US-amerikanische Marke aus Rockford, Michigan.
New Balance Bietet mit dünner Außensohle sowie festerem Obermaterial Schutz und trainiert außerdem den Fuß. Sehr große Auswahl. US-amerikanische Marke aus Boston, Massachusetts. Das Unternehmen hat sehr hohe Umweltstandards und nimmt seine soziale Verantwortung sehr ernst.
Nike Free Ist eher eine Mischung hin zum funktionellen Laufschuh. Sohle ist deutlich dicker als bei den herkömmlichen Barfuß-Schuhen. Tiefe Kerben in den Sohlen sorgen für Flexibilität. US-amerikanische Marke aus Beaverton, Oregon und weltweit führender Sportartikelanbieter.
Saucony Die Bandbreite reicht von einem sehr puristischen Barfuß-Schuh bis zu einer Variante mit leichter Stützfunktion. US-amerikanische Marke im Besitz von Stride Rite Corporation, mit Sitz in Lexington, Massachusetts.
Vibram Erfinder des „FiveFingers“ Barfuß-Schuh. Große Auswahl in allen möglichen Varianten. Italienischen Firma mit Hauptsitz in Albizzate. Die wasser- und winterfeste Vibram-Sohle wurde 1937 zum Patent anmeldete.
Vivobarefoot Bietet mit dünner Außensohle sowie festerem Obermaterial Schutz und trainiert außerdem den Fuß. Britische Marke und einer der Pioniere von Barfuß-Schuhen. Vivobarefoot hat hohe Umweltstandards und bietet auch speziell gekennzeichnete vegane Schuhe an.

vivo3

vivo3l

 

 

 

Wichtig ist, dass Sie nicht von heute auf morgen komplett auf die Barfußvariante umsteigen. Lernen Sie mit den neuen Schuhen erst das Gehen und Stehen bevor Sie laufen. Am Anfang reichen wenige Minuten. So stärken Sie die Fußmuskulatur und die Sehnen und Muskeln gewöhnen sich an die neue Belastung. Nach wenigen Wochen können Sie dann ganz befreit laufen.

Eine gute Anleitung gibt es auf den Seiten von Vibram:

LAUFEN MIT VIBRAM® FIVEFINGERS®

Anekdote für Läufer mit Hallux Rigidus oder Limitus

Oft wird Läufern mit Hallux Rigidus (turf toe) im Gegensatz zu Hallux Valgus zu einer möglichst steifen Sohle geraten. So rät Trias Gesundheit von Thieme:

Die wirksamste Hilfe kommt von Schuhen mit steifer Sohle. Steif, nicht hart. Steif bedeutet „nicht oder schwer biegsam“. Umgekehrt sind Barfußschuhe und Five-Fingers Gift beim Hallux rigidus.

Irgendwie erschien mir das gegensätzlich zu der Annahme, dass Bewegung bei Arthrose wichtig ist und auch Muskeln ruhigstellen normaler Weise, zumindest langfristig, nicht hilft. Dann ist oft der Hallux Rigidus auch ein Resultat von einem Hallux Valgus, bei dem ja unbestritten das Barfußlaufen wichtig ist.

Wie auch immer. Hier die Anekdote:

Wer regelmäßig läuft, dem stellt sich früher oder später die Frage der richtigen Schuhe. Vor allem wer unter genetisch bedingten Hallux (was auch immer) leidet. Ich habe für mich trotz – oder wegen- schmerzendem Großzehengrundgelenk für die Vibram Bikila Evo entschieden. Vor allem da diese Schuhe dem Gelenk viel Platz lassen und die schmerzende Stelle nicht berühren. Zumindest für mich erscheint dies nicht als Gift und ich laufe sehr gut und bis jetzt mehr oder weniger schmerzfrei damit.

vibram

 

(1) The Effect of Running Shoes on Lower Extremity Joint Torques. D. Casey Kerrigan, Jason R. Franz, Geoffrey S. Keenan, Jay Dicharry, Ugo Della Croce, PhD, Robert P. Wilder. PM&R (2009).

(2) Modelling of Muscle Force Distributions During Barefoot and Shod Running. Jonathan Sinclair, Stephen Atkins, Jim Richards, Hayley Vincent. Journal of Human Kinetics (2015).

 

Text und Fotos dürfen unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.

Wirkung der Vitamine D und K auf die sportliche Leistung

15.01.2016

Unter dem Begriff Vitamin D wird eine Gruppe von verschiedenen fettlöslichen Vitaminen zusammengefasst, die mit der Regulierung des Calciumhaushalts und der Mineralisation der Knochen in Verbindung stehen. Sie werden auch als Calciferole bezeichnet. Vitamine D2 und D3 sind streng genommen keine Vitamine, sondern eher Vorläufer von Hormonen. Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und Rezeptoren dafür gibt es in nahezu jedem Gewebe, vor allem innerhalb der Skelettmuskulatur. Es konnte gezeigt werden, dass Vitamin D als Hormon eine wichtige  Rolle im menschlichen Körper spielt und über 900 Genvarianten regelt (1).

Es wird diskutiert, ob ein erhöhter Vitamin D-Spiegel die Leistungsfähigkeit von Sportlern erhöht und den Testosteronspiegel ansteigen lässt. Momentan sind sich Wissenschaftler aber uneinig  im Hinblick auf die optimale Aufnahme von Vitamin D, die spezifische Form die man einnehmen soll und über die unterschiedlichen Wechselwirkungen von Vitamin D mit Vitamin-K, die die Arterienverkalkung und Hypervitaminose beeinflussen können.

56% der untersuchten Sportler haben einen zu niedrigen Vitamin D Spiegel (1).Sterogyl-226x300

 

Der Vitamin D und K Stoffwechsel

Vitamin D3 wird von der Leber, der Niere und auch von Proteinen des Muskelgewebes zu seiner aktiven hormonell wirksamen Form umgebaut. Das Vitamin D bindet dann im Blut an spezielle Proteine, die Vitamin D Rezeptoren (VDR – Vitamin D receptors) und beteiligt sich dann an verschiedenen Prozessen im ganzen Körper.

Calcium, Vitamin D und Vitamin K wirken synergistisch. Das heißt, dass diese Vitamine zusammen am Knochenaufbau und Erhalt arbeiten. Ist nun der Vitamin K Spiegel zu niedrig, kann dies zu Verlusten von Calcium aus Knochen führen. Deshalb wird vermutet, dass Vitamin D Toxizität nur bei Vitamin K Mangel entsteht (1).

VitD

 

Vitamin D+K und Leistung

Im Muskelgewebe gibt es viele Rezeptoren für Vitamin D. Deshalb wird auf eine enge Verbindung zwischen Leistungsfähigkeit und Vitamin D vermutet. Es gibt auch einige Studien, die einen hohen Vitamin-D Spiegel mit Muskelkraft, Ausdauer und Muskelmasse in Verbindung setzten (1). So ist bei Sportlern die Sauerstoffaufnahme der Muskeln und auch die Erhohlungszeit deutlich verbessert.

So konnte bei Marathonläuferinnen gezeigt werden, dass eine Überdosis von Vitamin K und Vitamin D die Leistung steigern und bei Frauen Osteoporose verhindern kann (1, 4, 5). Da Vitamin D und K wie oben erwähnt zusammen arbeiten, sollte auf eine optimale Dosierung von beiden Vitaminen geachtete werden.

sun-47083_960_720-300x255

 

Vitamin D Aufnahme

Der Gehalt an Vitamin D wird in zwei Einheiten angegeben, der internationalen Einheit (IU) oder in Mikrogramm (μg oder mcg), die biologische Aktivität von 40 IU ist gleich 1 μg.

Vitamin D3 wird  in der Haut mit UVB Strahlen der Sonne gebildet. Da dies im europäischen Winter nicht genug ist, haben Menschen in Deutschland meist, zumindest im Frühjahr, einen Vitamin D Mangel. Die oft geschriebene Empfehlung diesen Mangel durch den Konsum von Milchprodukten zu beheben ist falsch.

Der natürliche Vitamin D Gehalt der Kuhmilch wird sehr unterschiedlich angegeben und schwankt zwischen 0 – 50 IU pro 100 g.  Eine Schweizer Quelle spricht von 0,06 μg/100g und Hipp gibt 0,088 μg/100g für Kuhmilch an. Da in Deutschland die wenigsten Kühe heute noch auf der Weide stehen, dürften das Höchstwerte sein.

Mehrere Studien zeigen, dass Vitamin D Supplementierung von mehr als 400 IU pro Tag das Risiko einer Fraktur reduziert (2). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsenen 20 μg, bzw. 800 IU , die Endokrine Gesellschaft (ES) empfiehl sogar bis zu 200o IU Vitamin D3 am Tag. Um also auf die empfohlene Tagesdosis Vitamin D mit Milch zu kommen, müsste man täglich mehr als 40 Liter nicht fettreduzierter Milch trinken.

Deshalb wird Vitamin D, ähnlich wie Vitamin A, in den USA, Kanada und Schweden der Milch künstlich zugesetzt. Um also auf die Empfohlene Menge Vitamin D zu kommen kauft man sich am besten gleich Nahrungsergänzungsmittel.

Serumkonzentration Vitamin D

Die Empfehlungen für die Serumkonzentration gehen von 70 nmol/L  als absolutes Minimum bis auf über 120 nmol/L . Bei Werten unter 50 nmol/L geht man von einem Mangel aus. Dabei sollte die tägliche Aufnahme von Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel den Wert von 10.000 IU nicht übersteigen (1). In der Literatur werden diese Zahlen aber kontrovers diskutiert und vor allem bei Sportlern in Frage gestellt. So sind auch bis heute keine Nebenwirkungen bei Überdosierung bekannt, aber die Möglichkeit von Nierensteinen und Gefäßverkalkungen bei dauerhafter Überdosierung von über 40.000 IU wird für möglich gehalten (1).

Vitamin K AufnahmeSpinat2

Ähnlich wie Vitamin D, hat auch Vitamin K zwei Varianten: Vitamin K1 und Vitamin K2.

Vitamin K1 ist vor allem in grünen Pflanzen zu finden:

  • Kohl, Petersilie, Spinat, Brokkoli, Mangold, Rosenkohl.
  • Avocado, Kiwi und grüne Trauben.
  • Pflanzenöle wie Sojaöl und Rapsöl.

Vitamin K2 wird vor allem von Bakterien gebildet und ist meist in fermentierten Lebensmitteln zu finden. Siehe auch hier: http://www.dr-nepomuk.de/darmbakterien/

  • Natto mit der höchsten Menge von 1100 µg/100g (4).
  • Sauerkraut oder allgemein fermentiertes Gemüse können bis 500 µg/100g Vitamin K2 enthalten.
  • Fermentierter Käse.

Die empfohlene Tagesdosis von Vitamin K liegt im Bereich von 50 µg bis 1000 µg (3,4). Wobei diese Konzentrationen in der Literatur diskutiert werden, da die Vitamin K Speicher im Körper sehr schnell geleert werden. Klinische Studien haben Vitamin K Ergänzungsmittel in Dosierungen bis 10 mg Vitamin K1 und bis 45 mg für Vitamin K2 verwendet und fanden keinen Hinweise auf toxische Effekte (4). Die Einnahme von zu viel Vitamin E in Form von Nahrungsergänzungen kann sich negativ auf den Vitamin K Spiegel auswirken (4)

VitK

Serumkonzentration Vitamin K

Die Empfehlungen für die Serumkonzentration gehen von mindestens 0,5 nmol/L  für Vitamin K aus. Ein anderes Maß ist das „untercarboxylierte Osteocalcin“ (undercarboxylated osteocalcin), dessen Wert nicht über 4,0 ng/ml steigen sollte (4).  Es gibt viele Studien, die einen Vitamin K Mangel mit einer Reihe von Krankheiten in Verbindung ringen. So soll bei einem Mangel das Risiko für Osteoporose, Osteoarthritis, Arterienverkalkung und auch Krebs steigen (4).

Spinat1-252x300
Diskussion

In einigen Studien konnte gezeigt werden, dass eine Überdosis von Vitamin K und Vitamin D die Leistung steigern und bei Frauen Osteoporose verhindern kann (1, 2, 3, 4, 5).  Da Vitamin D und K wie oben erwähnt, zusammen arbeiten, sollte auf eine optimale Dosierung von beiden Vitaminen geachtete werden. Auch soll bei einem Mangel das Risiko für Osteoporose, Osteoarthritis, Arterienverkalkung und auch Krebs steigen (4).

Aus diesen Gründen sollte man seine Werte kontrollieren und vor allem im Frühjahr durch Nahrungsergänzungen die Speicher auffüllen. Auch wenn die Wissenschaft sich nicht über Grenzwerte einig ist, so scheinen die Gefahren einer Überdosierung doch deutlich geringer, als ein Mangel.

Wer gerne zusätzliche Infos will, hat oder gerne darüber diskutiert, der ist in meinem Forum willkommen: http://www.dr-nepomuk.de/forum/

Sterogyl-226x300

 

(1) Plausible ergogenic effects of vitamin D on athletic performance and recovery. Dylan T. Dahlquist, Brad P. Dieter, Michael S. Koehle. Journal of the International Society of Sports Nutrition. (2015)

(2) Prevention of nonvertebral fractures with oral vitamin D and dose dependency: a meta-analysis of randomized, controlled trials. Bischoff-Ferrari HA, Willett WC, Wong JB, et al. Arch Intern Med. (2009)

(3) A high phylloquinone intake is required to achieve maximal osteocalcin gamma-carboxylation. Neil C Binkley, Diane C Krueger, Tisha N Kawahara, Jean A Engelke, Richard J Chappell, John W Suttie. Am J Clin Nutr. (2002)

(4) Vitamin K and musculoskeletal health in postmenopausal women. Maryam S. Hamid, Angela M. Cheung. Molecular Nutrition & Food Research. (2014)

(5) Does vitamin K2 play a role in the prevention and treatment of osteoporosis for postmenopausal women: a meta-analysis of randomized controlled trials. Huang et al. Osteoporos Int. (2015)

 

Text und Fotos dürfen unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.