Chemikalien für das Fracking – hydraulische Frakturierung

02.12.2013

Fracking wird eingesetzt, um flüssige und gasförmige fossile Rohstoffe zugänglich zu machen. Hierfür wird eine Flüssigkeit in eine mehrere hundert Meter tiefe Bohrung gepresst, um aus Tonsteinen Gas zu gewinnen – das sogenannte Schiefergas.

Mich hat hier interessiert mit welchen Chemikalien das Wasser für das Fracking versetzt wird und wie diese auf unser Grundwasser und unsere Umwelt wirken können. Weiterführende Seiten finden Sie am Ende dieses Artikels.

Die Liste verwendeten Chemikalien habe ich von FraFocus. Die Verwendungs- und Warnhinweise sind von diversen Herstellern der Chemikalien aus dem Englischen übernommen.

Acetaldehyd, Acetylaldehyd oder Ethanal C2H4O, CAS 000075-07-0

Acetaldehyd ist ein Ausgangsstoff in der chemischen Industrie und dient beim Fracking als Korrosionsschutz. Acetaldehyd wird gemäss den Klassierungen von IARC, ACGIH, NTP oder EPA als möglicherweise krebserzeugend eingestuft. Es kann unscharfes Sehvermögen, Bewusstlosigkeit, Kopfweh, Erbrechen, Übelkeit, Lungenödeme, Krämpfe, Niesen, Husten und Atemnot verursachen. Die Wirkung tritt verzögert auf.

Ameisensäure oder Methansäure CH2O2, CAS 000064-18-6

Ameisensäure hat eine reduzierende Wirkung und wird als Korrosionsschutz eingesetzt.

Ammoniumpersulfat oder Ammoniumperoxodisulfat H8N2O8S2, CAS 007727-54-0

Ammoniumpersulfat kann es als Oxidationsmittel und zum Ätzen eingesetzt werden. Wird als Brecher eingesetzt.

Borsäure H3BO3, CAS 001333-73-9

Borsäure soll die Viskosität der Flüssigkeit bei extremen Temperaturen erhalten. Sie wurde 2010 auf die Kandidatenliste für Chemikalien als besonders besorgniserregend (SVHC substance of very high concern) aufgenommen. Nach der neuen GHS-Verordnung wurde Borsäure als reproduktionstoxisch gekennzeichnet.

Butoxyethanol oder Ethylenglycolmonobutylether C6H14O2CAS 000111-76-2

2-Butoxyethanol wird als Gleitmittel beim Fracking benutzt. Butoxyethanol reagiert mit Aluminium und ist akut toxisch, wird aber nur schwach wasserschädlich eingestuft.

Menschliche Exposition über 200 ppm verursacht Nieren- und Leberschäden sowie ein ungewöhnliches Blutbild (nach MSDS von Sigma).

Calciumchlorid CaCl2, CAS 010043-52-4

Calciumchlorid ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 509 zugelassen und wird als Festigungsmittel, Geschmacksverstärker und Stabilisator eingesetzt.

Cholin oder Cholinchlorid C5H14ClNO, CAS 000067-48-1

Cholin wird als Nahrungsergänzungsmitteln, in Futtermitteln oder auch in der Halbleiterproduktion als Reinigungsmittel eingesetzt. Beim Fracking verhindert Cholin dass der Ton aufquillt.

Essigsäure oder Ethansäure C2H4O2 CAS 000064-19-7

Verhindert das Ausfällen von Metalloxiden.

Ethylenglykol C2H6O2, CAS 000107-21-1

Ethylenglykol ist ein Lösungsmittel, Reduktionsmittel und Frostschutzmittel. Ethylenglycol ist als gesundheitsschädlich eingestuft. Es wirkt reizend auf Schleimhäute. Zudem kann es toxisch auf das Nervengewebe wirken, es kommt zu Herz- Kreislauf- und Stoffwechselstörungen und Nierenschädigung.

Glutaraldehyd oder 1,5-Pentandial oder Glutaral C5H8O2, CAS 000111-30-8

Glutaraldhyd wird vor allem zum desinfizieren und gerben benutzt und ist für Wasserorganismen stark giftig.

Die Substanz ist giftig beim Verschlucken und stark ätzend. Es verursacht schweres Brennen und Schmerzen in Mund, Hals und Bauch, sowie Erbrechen, Durchfall und Perforation der Speiseröhre und Magenschleimhaut. Schwere Narben können in der Kehle auftreten. Aufgrund der stark reizenden Eigenschaften kommt es zu Geschwüren und Entzündungen des Verdauungstraktes, was zu Mediastinitis und Peritonitis führen kann. Die Beschwerden treten verzögert auf und können zum Tod führen.

Guarkernmehl oder Guaran, CAS 009000-30-0

Guaran wird als Dickungsmittel eingesetzt. Wird in der Lebensmittelindustrie als E412 bezeichnet und wird als Bindemittel eingesetzt.

Isopropanol, 2-Propanol oder Isopropylalkohol C3H8O, CAS 000067-63-0

Isopropanol wird in der Industrie als Lösungsmittel oder auch zur Desinfektion (Biozid) eingesetzt.

Kaliumhydroxid KOH, CAS 001310-58-3

Mit Kaliumhydroxid wird der pH-Wert der Flüssigkeit eingestellt. Kaliumhydroxid kann unter starker Erwärmung bestimmte Metalle alkalisch-oxidativ aufschließen.

Kaliumcarbonat K2CO3, CAS 000584-08-7

In Wasser ist es sehr leicht löslich und reagiert alkalisch. Wird nicht als gefährlich eingestuft.

Kaliummetaborat, CAS 013709-94-9

Kaliummetaborat wird zu chemischen Synthese eingesetzt und soll die Viskosität bei hohen Temperaturen erhalten. Es ist stark wassergefährdend, verursacht schwere Augenreizungen und kann das Kind im Mutterleib möglicherweise schädigen.

Über die Toxizität der Borsäure für den Menschen wurde berichtet, dass Einnahme oder Absorption Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Magen-Darm-Krämpfe, erythematöse Läsionen der Haut und Schleimhäute verursachen können. Weitere Symptome schliessen Kreislaufkollaps, Tachykardie, Cyanose, Delirium, Konvulsionen und Koma ein. Berichten zufolge trat der Tod bei Säuglingen bei weniger als 5 g und bei Erwachsenen bei 5-20 g auf (MSDS von Sigma).

Kochsalz HCl, CAS 007647-14-5

Wird beim Fracking als Stabilisator eingesetzt.

Laurylsulfat CAS 000151-21-3

Verhindert die Bildung von Emulsionen und wird als stark wassergefährdend eingestuft.

Magnesiumoxid MgO, CAS 001309-48-4

Magnesiumoxid ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff mit der Bezeichnung E 530 zugelassen und  wird Lebensmitteln als Säureregulator oder Trennmittel zugesetzt.

Magnesiumperoxid MgO2CAS 014452-57-4

Magnesiumperoxid wird in der Industrie zur Sauerstoff-Freisetzung benutzt und ist auch in Shampoos und Deos.

Methanol oder Methylalkohol CH4O, CAS 000067-56-1

Methanol ist ein Lösungsmittel und Ausgangsstoff für Synthesen in der chemischen Industrie. Es stabilisiert Produkte und wirkt als Korrosionsschutz.

Natriumkarbonat oder Soda Na2CO3, CAS 000497-19-8

Soda wird bei sehr vielen chemischen Reaktionen eingesetzt und ist gesundheitlich unbedenklich.

Natriumhydroxid NaOH, CAS  001310-73-2

Mit Natriumhydroxid wird der pH-Wert der Flüssigkeit eingestellt. Natriumhydroxid ist ein wesentlicher Bestandteil von Abflussreinigern.

Natriumisoascorbat oder Natriumerythorbat C6H7NaO6, CAS 006381-77-7

Verhindert das Ausfällen von Metalloxiden und wird als Lebensmittelzusatzstoff (E316) eingesetzt.

Natriumpolycarboxylat

Keine Infos gefunden.

Naphthalin C10H8, CAS 000091-20-3

Naphthalin ist ein aromatischer Kohlenwasserstoff, Trägerflüssigkeit für Tenside und ist möglicherweise krebserzeugend für Menschen. Naphthalin ist sehr giftig für Wasserorganismen und kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.

Natriumtetraborat Na2B4O7, CAS 001303-96-4

Natriumtetraborat wird als Flußmittel und gegen Pilz- und Insektenbefall eingesetzt. Es ist stark wassergefährdend und ist auf der Liste wassergefährender Stoffe. Ebenso ist es enthalten in der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC). Vermutetes Reproduktionsgift für den Menschen.

Petroleumdestillate, CAS 064741-85-1 und CAS 064742-47-8

Petroleumdestillat ist eine Trägerflüssigkeit für Borat oder Zirkonat. Kann Krebs erzeugen und ist für Wasserorganismen giftig.

Polyacrylamid C3H5NO,CAS 009003-05-8

Minimiert die Oberflächenspannung vom Wasser – Polymerfluten. Es wird als wassergefährdend eingestuft.

Polysaccharid-Mischung, CAS 068130-15-4

Mehrfachzucker werden als Bindemittel eingesezt.

Quartäre Ammoniumverbindungen, CAS  012125-02-9 und CAS 061789-71-1

Organische Ammoniumverbindungen werden als Tenside in Weichspülern, Shampoos, Holzschutzmittel oder auch als Antialgenmittel (Algizide) in Schwimmbädern eingesetzt.

Salzsäure HCL, CAS 007647-01-0

Salzsäure ist eine anorganische Säure und zählt zu den Mineralsäuren. Sie löst bis die meisten Metalle.

Tetrakis Hydroxymethyl-Phosphonium Sulfat CAS 055566-30-8

Ein Biozid, das Bakterien abtötet. Einstufung ist akute Toxizität, akute aquatische Toxizität, krebserregend, gesundheitsschädlich, sehr giftig für Wasserorganismen und umweltgefährdend. Allerdings ist Tetrakis auch leicht biologisch abbaubar.

Tetramethylammoniumchlorid, CAS 000075-57-0

Tetramethyammoniumchlorid verhindert das Quellen vom Ton und wird als Stabilisator eingesetzt. Kann beim Einatmen gesundheitsschädlich sein und verursacht Reizung des Atemtrakts. Ist beim Verschlucken giftig, verursacht Haut- und Augenreizung.

Thioglykolsäure oder Mercaptoessigsäure C2H4O2S,  CAS 000068-11-1

Verhindert das Ausfällen von Metalloxiden und wird in Friseurprodukten für Dauerwellen benutzt. Beim Erhitzen zersetzt sich Thioglykolsäure unter Bildung von toxischen Dämpfen zu Schwefelwasserstoff und Schwefeloxide.

Triethanolamin Zirkonat C6H17NO6Zn, CAS 101033-44-7

Triethanolamin Zirkonat wird zu chemischen Synthese eingesetzt und soll die Viskosität bei hohen Temperaturen erhalten. Es reagiert mit Säuren und bildet Salze oder Seifen. Es wird als Klebstoff und auch bei der Zement Herstellung benutzt. Es soll Allergie und Krebsauslösend sein.

Zirconium Komplex Zr-x, CAS 113184-20-6

Zirconium ist ein sehr korrosionsbeständiges Schwermetall und der Komplex soll die Viskosität bei höheren Temperaturen erhalten. Von Verbindungen mit Zirconium soll keine Gefahr aus gehen.

Zitronensäure C6H8O7, CAS 000077-92-9

Zitronensäure verhindert das Ausfällen von Metalloxiden.

Anmerkungen

Die obigen Informationen sind nach besten Wissen zusammengestellt, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Mit den Chemikalien wurden tausende Mäuse, Ratten, Kaninchen, Fische und andere Tiere totgequält, um über das jeweilige Leiden Aufschluss zu erhalten. Ich gehe grundsätzlich auf solch sinnlosen und sadistischen Schwachsinn nicht ein.

Weitere Informationen

Im „Logbuch von Matze“ wird alles rund ums Fracking etwas genauer erklärt.

Da die Amerikaner am meisten leidvolle Erfahrung mit dem Fracking gemacht haben, gibt es dort auch die meisten Informationen. Allem voran: gaslandthemovie

Die Initiativen gegen-gasbohren.de unterstützen beim Aufbau neuer Initiativen, stehen für Diskussionen und Vorträge zur Verfügung und unterhalten Kontakte zu internationalen Initiativen, Politik, Verbänden und nicht zuletzt auch der Industrie.

Dort gibt es auch ein sehr gute Mediathek mit allen gewünschten Infos.

Bericht von September 2013 in der Zeit

Bericht vom November 2013 in der FAZ

Bericht vom November 2013 in N24

Bericht vom Juli 2013 in der Welt

Bericht vom Juni 2013 im Spiegel

Der Text darf unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.

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