Fakten im Milchstreit

11.11.2013
aktualisiert 12.03.2016

Laut dem Milchindustrieverband (MIV) gibt es in Deutschland über vier Millionen Kühe, die 30,8 Millionen Tonnen Milch im Jahr produzieren. Von der verarbeiteten Milch ist rund die Hälfte für den Export bestimmt. Die Milchindustrie erzielte 2012 einen Umsatz von 22 Milliarden Euro. Auf dem weltweiten Markt stehen Nestlé, Danone und Lactalis an der Spitze (1).

Seit einiger Zeit gibt es neben der Lobbyarbeit der Milchindustrie gehäuft Berichte darüber, dass der Verzehr von Milchprodukten gesundheitlich nicht das verspricht, was uns jahrzehntelang vermittelt wurde. So gibt es nicht nur neue Fakten auf den Seiten von PETA, sondern auch beim NDR, beim MDR und sogar bei den privaten, wie RTL (Osteoporose: Die Milch macht’s nicht).

Ich will hier nicht weiter auf Kühe, Export oder weiterverarbeitete Milchprodukte eingehen, sondern nur auf die Inhaltsstoffe der Kuhmilch und ihre vermutete Wirkung auf den menschlichen Organismus. Das heißt, die Wirkung von Kuhmilchbestandteilen auf Mäuse, Ratten oder andere Tiere ist für mich unerheblich.

Kalb

 

Bestandteile der Kuhmilch

Wasser

Wasser ist der Hauptbestandteil aller Milch und bei der Kuhmilch etwa 87,2 %. Der pH-Wert von Milch schwankt zwischen 6,5 für frische Milch bis etwa 4,5 für saure Milch.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate (Saccharide) in der Kuhilch machen etwa 4,8% aus und bestehen vor allem aus Milchzucker, der sogenannten Lactose.

Lactose – Milchzucker

Kuhmilch besteht zu etwa 4,6% aus Lactose.  Lactose muss im menschlichen Körper in Galctose und Glucose aufgespalten werde, um sie zu verwerten. Damit der menschliche Körper dies tun kann ist ein Enzym, die sogenannte Lactase, notwendig. Dieses Enzym wird von erwachsenen Menschen nur noch wenig, bzw. gar nicht mehr gebildet. Je nach Ausmaß spricht man dann von einer Lactoseunverträglichkeit oder -intoleranz. Falls das Verhältnis von Lactase zu Lactose nicht stimmt, wirkt Lactose abführend.

Deshalb kann Milchzucker als Abführmittel eingesetzt werden. Die Abbauprodukte erhöhen den osmotischen Druck im Darm und bewirken den Wassereinstrom in das Darmlumen.

Auch die im Darm aus Lactose bakteriell gebildete Milchsäure übt positive Effekte aus. Milchsäure trägt zum erwünschten sauren Darmmilieu bei und hemmt die Aktivität mancher krankheitserregender Keime. Mögliche Anwendungsgebiete sind deshalb Krankheiten, die eine Wiederherstellung der natürlichen Darmflora notwendig machen, zum Beispiel nach schweren Darminfekten wie einer Salmonellen-Erkrankung oder nach Antibiotikatherapie (2).

Da Milchzucker nur langsam in das Blut übergeht, wird Lactose in Sportlernahrung als Energielieferant eingesetzt, der die verfügbare Energie nicht kurzfristig wie Traubenzucker, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg zur Verfügung stellt (2).

Milchfett

Der Anteil an Fett bei Kuhmilch kann zwischen 3,2–5,0 % schwanken. Auf verarbeiteter Milch ist dieser immer angegeben. Das Milchfett ist ein wichtiger Träger von fettlöslichen Vitaminen wie A, D, E und K.

Das Milchfett setzt sich vor allem aus Triglyceriden zusammen. Milchfett hat einen relativ hohen Gehalt an kurzen Fettsäuren (Buttersäure) und einen relativ geringen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Die Zusammensetzung der Lipide schwankt stark in Abhängigkeit der Ernährung der Kuh.

Eine Studie vom Lipid Research Center in Quebec (Kanada) konnte zeigen, dass der kurzfristige Konsum von Buttermilch bei Probanden mit hohen LDL sich eignen kann, die Cholesterin Werte zu senken. Dies geschieht durch Hemmung der intestinalen Cholesterinaufnahme und zeigt nur Wirkung bei Probanden mit einem vorher hohen LDL. Gei gesunden Probanden zeigt sich keine Wirkung der Lipide aus der Milch (12).

Eiweiße (Proteine)

Der Gesamtproteingehalt von Kuhmilch liegt je nach Quelle zwischen 3% – 3,5% wovon etwa 80% sogenannte Caseine sind.

Casein

Kuhmilch enthält etwa 26 g/l Casein. Caseine sind eine Mischung aus mehreren Proteinen (αS1, αS2, β, κ) und dienen unter anderem dem Speicher und Transport von Proteinen, Calcium und Phosphat zum neugeborenen Kalb. Casein liegt in Milch als supramolekulare Struktur vor, die „Casein Micelle“ genannt werden. Diese Micelle binden an hydrophobe Verbindungen wie Vitamin A und D (9).

Floculation micellaire

Agregat von Casein Micellen in der Milch (N1K0L45 commons.wikimedia)

Molkeproteine

Molkeproteine sind etwa 0,6 % der Kuhmilch und heißen Beta-Lactoglobulin, Alpha-Lactalbumin, Immunglobulin, Serumalbumin, Lactoferrin, Lactoperoxidase, Lysozym, ß2-Mikroglobulin, Proteosepepton etc.

Beta-Lactoglobulin (ß-LG): Etwa 50% der Molkeproteine ist ß-Lactoglobulin.  Die Funktion der ß-LG ist unbekannt, es kann eine Fettsäure oder ein Lipid bindendes Protein sein. Es konnte gezeigt werden, dass es Vitamin D3 binden kann (10).

Alpha-Lactalbumin (a-LA): Etwa 25 % vom gesamten Molkeprotein in der Milch ist a-Lactalbumin. Es ist ein Protein des „Lactose-Synthese-Enzym-Komplex“, also für die Bildung vom Milchzucker (Lactose), im Euter verantwortlich. Daher ist es von besonderem Interesse im Hinblick auf die Kontrolle der Milch-Sekretion der Kuh.

Serumalbumin (SA): Serum Albumin kommt aus dem Serum und wird nicht im Euter synthetisiert.   Erhöhte Konzentrationen von Serum-Albumin treten vor allem während der Mastitis auf. Die Funktion von Serumalbumin in der Milch ist unbekannt. Es bindet an Fettsäuren, sowie andere kleine Moleküle.

Immunglobuline (Ig): Immunglobuline sind in sehr hohen Konzentrationen im Kolostrum enthalten aber in Milch für den Handel fast gar nicht. Immunglobuline sind Teil der passiven Immunisierung für das neugeborene Kalb.

Lactoferrin (LF): Ist ein Eisen bindendes Protein und wirkt gegen eine Reihe von Mikroorganismen. Einen ausfühlichen Artikel über Lactoferrin gib es hier: http://hmjaag.de/lactoferrin/

Lactoperoxidase: Ist ein Enzym, das Wasserstoffperoxide bindet. Es hat antibakterielle Eigenschaften.

Lysozym: Ist ein Enzym, das die Kohlenhydrate der bakteriellen Zellwand spaltet, hat aber eine sehr geringe Aktivität in Kuhmilch.

ß2-Mikroglobulin: Wurde es als kristalliner Niederschlag in Casein entdeckt und hieß früher Lactolin. Die Funktion ist nicht bekannt.

Milch hat zahlreiche weitere Enzyme, einschließlich Proteasen, Protease-Aktivatoren, Nukleasen, Glykosidasen und andere.

Molkeproteine werden als ernährungsphysiologisch hochwertig eingestuft, daher sind sie Hauptbestandteil der Eiweißpräparate zum Muskelaufbau.

Mineralstoffe und Spurenelemente

Etwa 0,3% der Kuhmilch sind Spurenelemente.

Spurenelemente

Gehalt an Mineralstoffen, einschließlich Spurenelemente in Milch laut Universität Wuppertal

1997 entwickelte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) eine Richtlinie für empfohlene tägliche Aufnahmemengen (RDA’s), nach diesen richten sich die hier empfohlene Tagesmengen.

Calcium

1 Liter Milch enthält etwa 1,2 g Calcium. Im Vergleich dazu kann aber auch Mineralwasser bis zu 0,7 g/l Calcium enthalten, auch Nüsse, Gemüse und Vollkorn haben einen sehr hohen Gehalt an Calcium.

Die empfohlene Tagesmenge an Calcium sollte bei mindestens 1 g für Erwachsene liegen. Bei Calcium spielt für den menschlichen Stoffwechsel jedoch nicht die aufgenommene Menge eine Rolle, sondern die Effizienz der Resorption. Also die Menge an Calcium, die auch tatsächlich vom Körper für den Knochenaufbau benutzt wird.

Voraussetzung dafür, dass Calcium resorbiert werden kann, ist unter vielem anderen eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D (7). Einige Quellen sagen, dass durch die gleichzeitige Zufuhr von Proteinen, Salz, Kaffee oder Alkohol die Calciumresorption verringert wird. Allerdings gibt es hierfür keine zuverlässigen Studien. Was gesichert ist, ist dass viele Arzneimittel  zu Osteoporose führen können, wie Glucocorticoide (Steroidhormone), Schilddrüsenhormone (L-Thyrocine), Insulin-SensitizerSerotonin-Wiederaufnahmehemmer, Antiepileptika, Diuretika, Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung und Magenschutz-Mittel (11).

Überall auf der Welt ist die Rate der Knochenbrüche niedriger in Ländern, die keine Milch  verbrauchen im Vergleich zu denen die einen hohen Verbrauch haben. Nach einer aktuellen Meta-Analyse kann der Milch-Verbrauch bei Erwachsenen nicht gegen Knochenbrüche schützen (4). Manche Veröffentlichungen gehen sogar noch weiter und beschreiben eine höhere Wahrscheinlichkeit an Knochenbrüchen zu erkranken, wenn viel Milch konsumiert wird (4, 6).

Phosphat

Laut Institut für Ernährungsinformation hat Kuhmilch etwa 920 mg/L Phosphat und laut Uni Wuppertal sogar 3 g/L. Ein ausgewogenes Calcium/Phosphat- Verhältnis ist für die Mineralisierung der Knochen wichtig .

Meist ist Phosphatmangel kein Problem für gesunde Menschen, da Phosphat in nahezu allen Lebensmitteln steckt. Häufiger tritt ein Überschuss auf, da viele Lebensmittel phosphathaltige Zusatzstoffe enthalten. Bedenklich kann ein zu hoher Phosphat Konsum für Nierenkranke werden, da diese es nicht vollständig ausscheiden können und die Gefahr einer Nierenverkalkung oder Vergiftung besteht.

Magnesium

Ein Liter Milch enthält etwa 120 mg Magnesium und laut Empfehlung soll ein Erwachsener etwa 400 mg Magnesium am Tag zu sich nehmen. In Gemüse, Vollkorn und Nüssen ist am meisten Magnesium.

Zink

Ein Liter Milch hat etwa 4 mg Zink und und laut Empfehlung soll ein Erwachsener etwa 7 mg Zink am Tag aufnehmen. Getreide und Nüsse sind eine gute Quelle für Zink.

Kalium

Ein Liter Milch hat etwa 1,5 g Kalium und laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung beträgt unser täglicher Kaliumbedarf 3 bis 4 g. Gute Kaliumquellen sind auch hier Getreide, Gemüse, Obst und auch Schokolade.

Jod

Der Jodgehalt in Milch ist sehr unterschiedlich, da den Kühen unterschiedlich viel Jod zugefüttert wird. Das nennt sich Jodsupplementierung des Futters. Auch Viehsalz ist in der Regel jodiert und soll die Milchleistung erhöhen. Aus diesen Gründen ist in Bio Milch auch weniger Jod enthalten. Menschen mit Schildrüsenproblemen sollten deshalb Milch meiden und ihren Jod- und Hormonbedarf lieber genau dosiert zusammen mit einem Arzt durchführen. Auch Kochen mit Jodsalz hat hat sich für gesunde Menschen bewährt.

Vitamine und Hormone

Vitamin D 

Unter dem Begriff Vitamin D wird eine Gruppe von verschiedenen fettlöslichen Vitaminen zusammengefasst, die mit der Regulierung des Calciumhaushalts und der Mineralisation der Knochen in Verbindung stehen. Sie werden auch als Calciferole bezeichnet. Vitamine D2 und D3 sind streng genommen keine Vitamine, sondern eher Vorläufer von Hormonen.

Der Gehalt an Vitamin D wird in zwei Einheiten angegeben, der internationalen Einheit (IU) oder in Mikrogramm (μg oder mcg), die biologische Aktivität von 40 IU ist gleich 1 μg.

Der natürliche Vitamin D Gehalt der Kuhmilch wird sehr unterschiedlich angegeben und schwankt zwischen 0 – 50 IU pro 100 g.  Eine Schweizer Quelle spricht von 0,06 μg/100g und Hipp gibt 0,088 μg/100g für Kuhmilch an. Da in Deutschland die wenigsten Kühe heute noch auf der Weide stehen, dürften das Höchstwerte sein.

Mehrere Studien zeigen, dass Vitamin D Supplementierung von mehr als 400 IU pro Tag das Risiko einer Fraktur reduziert (7) und die empfohlene Tagesdosis für einen Erwachsenen beträgt in den meisten Quellen 20 μg, bzw. 800 IU. Um also auf die empfohlene Tagesdosis Vitamin-D mit Milch zu kommen, müsste man täglich mehr als 20 Liter nicht fettreduzierter Milch trinken.

Deshalb wird Vitamin D, ähnlich wie Vitamin A, in den USA, Kanada und Sweden der Milch künstlich zugesetzt.

Vitamin B2

In Kuhmilch sind etwa 2 mg Vitamin B2 pro Liter, dies entspricht  der Ernährungsempfehlung.

Vitamin A

Der Vitamin A Gehalt von nicht fettreduzierter Kuhmilch liegt normalerweise bei einer durchschnittlichen Menge von 0,320 mg pro Liter. Um den Tagesbedarf von etwa 1 mg zu decken wird Vitamin A in den USA der Milch künstlich zugesetzt (9).

Vitamin B12 

Der Vitamin B12 Gehalt von in Kuhmilch liegt bei einer durchschnittlichen Menge von 4 µg/L was auch dem täglichen Bedarf eines erwachsenen Menschen entspricht.

Hormone

In der modernen industriellen Milchproduktion haben Kühe immerwährende, aufeinanderfolgende Schwangerschaften, was zu einer Milch mit hohem Anteil an reproduktiven Hormonen führt und es gibt es wachsende Besorgnis über diese Hormone in Milch.  Angeblich sollen in der Kuhmilch 52 verschiedene Hormone vorkommen. Dies sind nach (21): PRL, GH, TSH, FSH, LH, ACTH, Oxytocin, TRH, LHRH, Somatostatin, PRL inhibiting factor, r PRL releasing factor, GnRH, GRF, IGFs (I and II), IGF binding proteins, Epidermal growth factor, TGFa, TGFjS, MDGI, MAF, t- Relaxin, Platlet derived growth factor, Thyroid and parathyroid hormones T3, T4, rT3, Calcitonin, Parathormone, y PTH-related peptide, Estradiol, Estriol, Progesterone, Testosterone, 17-Ketosteroids, Corticosterone, Gastrointestinal peptides, Vasoactive intestinal peptide, Bombesin, Cholecystokinin, Gastrin,Gastric inhibitory peptide, Pancreatic peptide Y peptide, Substance P, Neurotensin, PGE, PGF2a, cAMP, cGMP, Delta sleep inducing peptide, Transferrin, Casomorphin, Erythropoietin.

In Anbetracht der Bedeutung und Schädlichkeit von diesen Verbindungen, ist es erstaunlich, dass es  nicht einmal gute Methoden gibt, um diese Verbindungen in der Milch zu erkennen, geschweige denn Rückstandshöchstmengen.

Östrogene können in zwei Gruppen eingeteilt werden. Die natürlichen Östrogene mit Estron (E1), Östradiol (E2), Estriol (E3)  und Esterol (E4) und synthetische Östrogene. Es wird berichtet, dass etwa 60-80% der Östrogene in der westlichen Ernährung aus Milchprodukten stammen (18). In den meisten Studien wird nur der Gehalt an Estron (E1) und Östradiol (E2) untersucht und es werden sehr unterschiedliche Werte je nach Trächtigkeitszustand der Kuh angegeben. Des weiteren spielt der Fettgehalt der Milch eine Rolle: Um so fetter die Milch, um so mehr Estron. Laut einer Studie von Dr. Ron Kensinger im Jahre 2012 liegt die Konzentration von E1 zwischen 10,3 und 85,9 pg/ml. So dürfte ein Liter Milch nicht über 100 ng Estron enthalten (19). Die FDA Richtlinie gibt 540 ng pro Tag als unbedenklich an.

Es gibt Studien dass Östrogene aus Milchprodukten bei der Entwicklung von
Brust-, Gebärmutter- und Eierstockkrebs, männliche reproduktive Störungen,
Fettleibigkeit und Akne beteiligt sind (19).  Leider basieren viele dieser Studien auf Nagetiere und haben keinerlei Aussagekraft für den Menschen.

Wachstumsfaktor 1

Die Kuh und ihr Kalb sind als Weidetiere Beutetiere, deshalb muss das Kalb schnell wachsen, um eventuell zu flüchten. Deshalb stellt die Kuh für das Kalb sogenannte Wachstumsfaktoren zu Verfügung. Die Folgen dieser Wachstumsfaktoren für den Menschen sind noch nicht untersucht. Ein hoher Milchkonsum erhöht die Serumkonzentrationen vom Insulinähnlichen Wachstumsfaktor 1 (Insulin-like growth factor 1 „IGF“) ein anaboles Hormon das mit Prostatakrebs und anderen Krebsarten in Verbindung gebracht wird (3). Der menschliche Konsum von Milchprodukten führt auch deshalb zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit an Prostata-Krebs zu erkranken (5).

Auf der anderen Seite sind die Wachstumsfaktoren auch geeignet zusammen mit dem hohen Gehalt an Milcheiweiß positiv mit auf die Knochenmasse und die Muskelmasse einzuwirken, was auch von Sportlern und Bodybuildern genutzt wird (8).

Milch und Epigenetik

Laut neueren Studien greifen Milchprodukte mit miRNAs in die Epigenetik des Menschen ein (22). So wird auch das erhöhte Risiko für Prostata- und Brustkrebs mit der Epigenetik erklärt. Die durch einen hohen Konsum von Kuhmilch erzeugte „epigenetische FTO Signalisierung“ könne die „Epidemie von altersbedingten Zivilisationskrankheiten“ erklären (22). Es sei daher nicht verwunderlich, dass eine erhöhte Sterblichkeit in Bezug auf hohe Milchaufnahme kürzlich in einer schwedischen Kohorte von Männern und Frauen beobachtet wurde (23).

Kontaminationen in Milch

Zu den Kontaminationen zählen Pestizide wie das Insektizid DTT, das trotz langem Verbot immer noch gefunden wird und bestimmte Organophosphate. Wobei dies in Deutschland untersucht wird und es Grenzwerte gibt.

Dann werden Kühen Antibiotika verabreicht, um bakterielle Infektionen zu behandeln, zu verhindern oder die Leistung zu erhöhen. Die am häufigsten verwendeten Antibiotika zur Bekämpfung von Mastitis sind Penicilline, Cephalosporine, Tetracycline, Makrolide, Aminoglykoside, Chinolone und Polymyxine (20).

Dann dürfen Dioxine, PCB, Schwermetalle, Nitrate und Mycotoxine hier nicht unerwähnt bleiben.

Milch und Diabetes

Es gibt seit einiger Zeit Berichte wonach Milch vor Diabetes Typ 2 schützen soll.  Diese Berichte stützen sich auf einzelne Veröffentlichungen auf die ich hier kurz eingehen will. Die meisten Studien sind mit Vitamin A und D suplementierter Milch gemacht. Gerade Vitamin D soll vor Diabetes Typ 2 schützen (16).

Die Veröffentlichungen die als Beweis her halten müssen gehen allerdings nicht über Milch sondern über Nahrungsergänzung bei Typ 2 Diabetes. Interessanter Weise wird als Beweis auch gerne eine Studie angeführt, die schon in der Zusammenfassung deutlich vermerkt: „Diese große Studie fand keinen Zusammenhang zwischen Milchprodukten und Diabetes-Risiko“ (17).

In einer dänischen Studie mit 5953 Probanden konnte ebenfalls keine Beziehung zwischen Milchprodukten und Typ 2 Diabetes festgestellt werden. Lediglich eine kleine Veränderung der Blutglukose beim Verzehr von Käse und fermentierten Milchprodukten, die allerdings nicht sehr signifikante waren (13).

Referenz Jahr Institut Inhalt Kommentar
13 2013 Steno Diabetes Center Dänemark, Division of Human Nutrition Niederlande, Research Centre for Prevention and Health, Dänemark 5953 Probanden wurden über 5 Jahre untersucht. Wobei sowohl der Lebensstiel als auch die verwendeten Milchprodukte mit einbezogen wurden. Dänische Studie mit nicht suplementierter Milch und bei der die verschiedenen Milchprodukte mit Lebensgewohnheiten verrechnet wurden.
14 2010 University of São Paulo, Brasilien Vitamin B-Komplex, Antioxidantien (Vitamin A, C, E und Carotinoide), Calcium, Vitamin D, Vitamin K, Magnesium, Natrium und Kalium – und Glucose-Metabolismus Bei der Studie geht es nicht um Milch, sondern um Nährstoff- Suplementierung bei Diabetes 2 Patienten.
15 2011 School of Radiation Medicine and Public Health, Soochow University, Suzhou, China Sieben Studien über Milchkonsum und Diabetes wurden analysiert. Das Diabetes Risiko könnte 5% für die gesamten Milchprodukte und 10% für fettarme Milchprodukte reduziert werden. Lebensgewohnheiten der Pobanten und suplementierte Milch wurde nicht berücksichtigt.
16 2007 Division of Endocrinology, Diabetes and Metabolism, Tufts-New England Medical Center, Boston Vitamin D und Kalzium können den Blutzucker beeinflussen. Supplementierung mit beiden Nährstoffe kann bei der Optimierung des Glukose-Stoffwechsel helfen. Bei der Studie geht es nicht um Milch, sondern um zwei Nährstoffe.
17 2012 Europäische EPIC-InterAct Studie In 8 europäischen Ländern wurden insgesamt Daten von 3,99 Millionen Personen mehrere Jahre untersucht. Die Milchprodukt Aufnahme wurde durch diätetische Fragebögen beurteilt. Studie fand keinen Zusammenhang zwischen Milchprodukten und Diabetes-Risiko

Nach wie vor gilt, dass für eine Diabetes Typ 2 Übergewicht und Bewegungsmangel das Hauptrisiko darstellen. Dies kann augenscheinlich nicht durch Milchkonsum kompensiert werden.

Milch und Krebs

Es gibt viele Berichte über Milch in Bezug auf das Krebsrisiko – sowohl dass Milch vor einigen Krebserkrankungen schützt, als auch dass Milch das Risiko für einige Krebserkrankungen erhöht. Keiner der Beweise ist wirklich schlüssig.

In der Tabelle unten sind einige Veröffentlichungen zusammengefasst. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei um sehr kleine Wahrscheinlichkeiten handelt. Jede Krebserkrankung ist anders und es spielen individuell sehr viele Kleinigkeiten mit. Die Tabelle spiegelt nur eine Tendenz der Berichterstattung wieder, nicht die der Realität.

Referenz Krebserkrankung Risiko duch Milchkonsum Kommentar
Elwood et al. 2008 Darmkrebs geringeres Risiko Die Studie kann leider nicht gelesen werden, aber laut Zusammenfassung der Autoren wurden 15 Studien statistisch verrechnet. Diese Berechnungen behaupten, dass Schlaganfall, Diabetes und Krebs im allgemeinen “bei hohem” Milchkonsum in Großbritanien niedrieger seien als bei “geringem” Milchkonsum. Diese Studie ist eine der am liebsten zitierte Studie der Milchlobby. Deshalb erwähne ich sie hier.
Cho et al. 2004, Norat and Riboli 2003, Larsson et al. 2005, Holt (2008), Park et al (2009) Darmkrebs geringeres Risiko Zu Darmkrebs und Milch gibt es sehr viele Studien. Allerdings werden oft die Lebensumstände nicht mit berechnet (Rauchen, Fleisch, Wurst, Übergewicht, Sport) und selbst wenn, fliessen die Daten unterschiedlich ein. Des weiteren wird oft Vitamin D und Calzium für die schützende Wirkung verantwortlich gemacht. In Deutschland wird der Milch kein Vitamin D zugesetzt, also fällt das hier weg.
Dong et al (2011) Brustkrebs geringeres Risiko durch fettarme Milch im Gegensatz zu normaler Milch. Frauen die fettarme Milch trinken, sollen ein geringeres Risiko für Brustkrebs haben, als Frauen die normale Milch trinken. Auch wenn die Statistk wie immer anzuzweifelen ist, so stimmen die Ergebnisse mit dem oben erwähnten hohen Östrogen (Estron) Gehalt in Milchfett überein.
McCullough et al (2005) Brustkrebs geringeres Risiko duch fettarme Milchprodukte mit Vitamin D supplementiert. Die positive Wirkung wird auf das Calzium mit Vitamin D zurückgeführt.
Parodi et al (2005) Brustkrebs höheres Risiko durch Milchfett. Das höhere Brustkrebsrisiko bei Milchprodukten wird auf das Milchfett zurückkeführt.
Lu et al (2001) Brustkrebs höheres Risiko Das höhere Brustkrebsrisiko wird auf Hormone wie Östrogen und Wachstumsfaktoren zurückgeführt.
Toriola et al (2010) Eierstockkrebs Vitamin D mit Calzium erniedrigt das Risiko. Kein Bezug zu Milch. Studie über Calzium und Vitamin D bei Eierstockkrebs. Dazu gibt es einige Studien, die gerne als Beweis für Milch zur Vorbeugung gegen Eierstockkrebs herangezogen werden.
Farlow et al (2009) Eierstockkrebs Milchprodukte erhöhen das Risiko. Erhöhtes Risiko wird auf die Östrogene im Milchfett zurück geführt.
Genkinger et al (2006) Eierstockkrebs Fettarme Milch erhöht das Risiko. Hier wird das erhöhte Risiko auf die Laktose, den Milchzucker, zurückgeführt.
Li et al. (2011) Blasenkrebs kein Einfluß Es wurden 14 Studien über Milch und Blasenkrebs statistisch überprüft. Es scheint genügend Beweise zu geben, um die Null-Hypothese unterstützen. Die erste Statistik der ich persönlich traue.
Travis et al (2013) Prostatakrebs Milchprodukte erhöhen das Risiko. Dass Milch und Milchprodukte das Risiko an Prostatakrebs zu erkranken erhöhen wird heute nicht mehr bezweifelt und gilt als bewiesen. Es wird meist das Milchfett (Östrogen) und die Wachstumsfaktoren (IGF-1) dafür verantwortlich gemacht. Deshalb sollten Männer möglichst fettarme Milchprodukte wählen, wenn überhaupt.

Zusammenfassend lässt sich behaupten, dass Milchprodukte womöglich vor Darmkrebs schützen können, aber auch ein erhöhtes Risiko für Prostata-, Brust- und Eierstockkrebs darstellen.

Milch und Osteoporose

Der Schutz vor Osteoporose, das Hauptargument für einen exzessiven Milchkonsum, ist heute widerlegt. Details können oben dem Abschnitt Calcium und Vitamin D entnommen werden.

 

Diskussion

Leider werden die allermeisten ernährungsphysiologischen Untersuchungen mit Bestandteilen von Milch an Mäusen und Ratten durchgeführt. Da der menschliche Organismus nur sehr wenig parallelen zu Nagetieren aufweist, möchte ich hier nicht auf die einzelnen unsinnigen Ergebnisse eingehen. Aber falls Sie Nagetiere zuhause haben, füttern Sie diese bitte nicht mit Milchprodukten. Dies gilt im übrigen auch für alle Wildtiere wie Igel, Katzen, Füchse und Vögel.

Laut einer neuen Veröffentlichung der Harvard Medical School von David S. Ludwig und Walter C. Willett haben Menschen keinen Nährstoffbedarf für tierische Milch (3).

Viele Menschen auf der ganzen Welt konsumieren aus biologischen Gründen (Laktase-Mangel), aus mangelnder Verfügbarkeit oder aus kultureller Präferenz wenig oder gar keine Milch und werden dennoch sehr gesund alt. Allerdings bietet Milch große Mengen an Proteinen und anderen Nährstoffen und kann gesundheitliche Vorteile für Kinder und Erwachsene mit insgesamt schlechtem Ernährungszustand haben. Für diejenigen mit einer hochwertigen Ernährung (einschließlich grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen) können die ernährungsphysiologischen Vorteile von einem hohen Milchkonsum die negativen Folgen nicht überwiegen (3).

So möchte ich mich Professor Willett anschließen, dass der Konsum von Kuhmilch nur für unterernährte Säuglinge und Kleinkinder sinnvoll ist, aber auch nur dann, wenn Vitamin A suplementiert wurde. Allen gesunden Menschen rate ich von einem hohen Konsum ab. Die Ernährungsempfehlungen unserer Regierung sollten überdacht und von Lobby unabhängigen Wissenschaftlern neu gestaltet werden.

 

(1) Milchindustrieverband (MIV), http://www.meine-milch.de/artikel/die-molkerei-als-wirtschaftsfaktor Oktober (2013)

(2) Milchzucker: Vorkommen, Eigenschaften, Stoffwechsel und Diätetik. Roswitha Schmitz-Hilferink – Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (2013)

(3) Three Daily Servings of Reduced-Fat Milk. An Evidence-Based Recommendation? Ludwig DS, Willett WC. JAMA Pediatrics (2013)

(4) Milk intake and risk of hip fracture in men and women: a meta-analysis of prospective cohort studies. Bischoff-Ferrari HA, Dawson-Hughes B, Baron JA, Kanis JA, Orav EJ, Staehelin HB, Kiel DP, Burckhardt P, Henschkowski J, Spiegelman D, Li R, Wong JB, Feskanich D, Willett WC., J Bone Miner Res. (2011)

(5) World Cancer Research Fund and American Institute for Cancer Research report (2007)

(6) Calciumintake and hip fracture risk in men and women: a meta-analysis of pro- spective cohort studies and randomized controlled trials. Bischoff-Ferrari HA, Dawson-Hughes B, Baron JA et al. Am J Clin Nutr. (2007)

(7) Prevention of nonvertebral fractures with oral vitamin D and dose dependency: a meta-analysis of randomized, controlled trials. Bischoff-Ferrari HA, Willett WC, Wong JB, et al. Arch Intern Med. (2009)

(8) Dietary changes favorably affect bone remodeling in older adults. Heaney RP, McCarron DA, Dawson-Hughes B, et al. J Am Diet Assoc. (1999)

(9) Binding of vitamin A by casein micelles in commercial skim milk. Mohan MS, Jurat-Fuentes JL, Harte F.J Dairy Sci. (2013)

(10) Interactions of vitamin D3 with bovine β-lactoglobulin A and β-casein. Forrest, S. A., R. Y. Yada, and D. Rousseau. J. Agric. Food Chem. (2005)

(11) Drug induced osteoporosis. Zofková I. Vnitr Lek. (2013)

(12) Impact of buttermilk consumption on plasma lipids and surrogate markers of cholesterol homeostasis in men and women.Conway V, Couture P, Richard C, Gauthier SF, Pouliot Y, Lamarche B. Nutr Metab Cardiovasc Dis. (2013)

(13) Dairy product intake in relation to glucose regulation indices and risk of type 2 diabetes. Struijk EA, Heraclides A, Witte DR, Soedamah-Muthu SS, Geleijnse JM, Toft U, Lau CJ. Nutr Metab Cardiovasc Dis. (2013)

(14) Role of vitamins and minerals in prevention and management of type 2 diabetes mellitus. Martini LA, Catania AS, Ferreira SR. Nutrition Nutr Rev. (2010)

(15) Dairy consumption and risk of type 2 diabetes mellitus: a meta-analysis of cohort studies. Tong X, Dong JY, Wu ZW, Li W, Qin LQ. Eur J Clin Nutr. (2011)

(16) The role of vitamin D and calcium in type 2 diabetes. A systematic review and meta-analysis.
Pittas AG, Lau J, Hu FB, Dawson-Hughes B. J Clin Endocrinol Metab. (2007)

(17) The amount and type of dairy product intake and incident type 2 diabetes: results from the EPIC-InterAct Study. Sluijs I, Forouhi NG, Beulens JW, van der Schouw YT, Agnoli C, Arriola L, Balkau B, Barricarte A, Boeing H, Bueno-de-Mesquita HB, Clavel-Chapelon F, Crowe FL, de Lauzon-Guillain B, Drogan D, Franks PW, Gavrila D, Gonzalez C, Halkjaer J, Kaaks R, Moskal A, Nilsson P, Overvad K, Palli D, Panico S, Quirós JR, Ricceri F, Rinaldi S, Rolandsson O, Sacerdote C, Sánchez MJ, Slimani N, Spijkerman AM, Teucher B, Tjonneland A, Tormo MJ, Tumino R, van der A DL, Sharp SJ, Langenberg C, Feskens EJ, Riboli E, Wareham NJ; InterAct Consortium. Am J (2012)

(18) Determination of hormones in milk by hollow fiber-based stirring extraction bar liquid-liquid microextraction gas chromatography mass spectrometry.Xu X, Liang F, Shi J, Zhao X, Liu Z, Wu L, Song Y, Zhang H, Wang Z.Anal Chim Acta. (2013)

(19) Estrone and estrone sulfate concentrations in milk and milk fractions. Macrina AL, Ott TL, Roberts RF, Kensinger RS.J Acad Nutr Diet. (2012)

(20) Effects of Milk and Milk Products Consumption on Cancer: A Review. H. Davoodi, S. Esmaeili, A.M. Mortazavian, Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety (2013)

(21) Hormones and Growth Factors in Milk. CLARK et.al. Endocrine Reviews (1992)

(22) Milk: an epigenetic amplifier of FTO-mediated transcription? Implications for Western diseases. Bodo C. Melnik. Journal of Translational Medicine (2015)

(23) Milk intake and risk of mortality and fractures in women and men: cohort studies. Michaëlsson K, Wolk A, Langenskiöld S, Basu S, Warensjö Lemming E, Melhus H, et al. BMJ. (2014)

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