Defekt im MDR1 Gen bei Hunden

03.06.2015

Wer mehr über die Deletion im MDR1 Gen bei Hunden erfahren will, sei an Wikipedia oder Onkel Google verwiesen.

Übersicht der Hunderassen und die prozentuale Häufigkeit eines MDR1 (multi drug resistance)  Gendefekt (1)

Rasse Defekt (%) in beiden MDR1(-)
Collie 55 – 57
Langhaar Whippet 42
Sheltie 7– 35
Miniature Australian Shepherd 20 – 26
Silken Windhound 18
McNab 17
Australian Shepherd 17 – 46
Wäller 17 – 19
Weisser Schweizer Schäferhund 14
Bobtail 1 – 11
Englischer Schäferhund 7
Deutscher Schäferhund 6
Border Collie 1 – 2
Hütehund Mix 6 – 7
Mischlinge 2 – 7

Auswirkungen des Gendefektes

Der Gendefekt bewirkt ein nicht funktionales Protein names P-Glycoproteins. Dieses Protein ist für einige Transportvorgänge im Körper verantwortlich, vor allem zwischen Leber, Niere und Gehirn. Daher kommt es ohne das Protein zu einem höheren Transport von Nebennierenrindenhormonen und in Folge zu erniedrigten Kortisolwerten im Blut. Es wird auch vermutet, dass durch das Fehlen des P-Glycoproteins eine höhere Anfälligkeit für chronisch entzündliche Darmerkrankungen besteht. (2)

MDR heisst deshalb „multi drug resistance“ weil es als Schutzprotein für die Blut-Hirn-Schranke eine Art Barriere für Arzneimittel darstellt.  Da bei Hunden mit dem Gendefekt der Schutz entfällt können neurotoxische Nebenwirkungen auftreten falls es zur Aufnahme bestimmter Arzneimittel kommt.

Diese Arzneimittel sind in manchen Wurmkuren (vor allem der für Pferde) und in Flohschutzmitteln vorhanden. Aus glaubhaften Quellen aus den USA wird berichtet, dass Hunde am Verzehr von kürzlich entwurmten Pferdekot gestorben sind (3).

Folgende Inhaltsstoffe von Arzneimitteln können je nach Dosis für diese Hunde gefährlich werden:

Acepromazine
Butorphanol
Doxorubicin
Erythromycin
Ivermectin
Ioperamide
Milbemycin
Moxidectin
Rifampin
Selamectin
Vinblastine
Vincristine 

(Liste nach 3*)

MDR1 ist ein patentiertes Gen

Am 18.11.2009 ist ein Patent auf das MDR1 Gen und seine Deletion in Kraft getreten. Es ist also bis 2029 in Deutschland unter Strafe verboten ohne Lizenz auf das MDR1 Gen aller Hunde zu schauen. Falls also jemand seinen Hund auf eine MDR1 Gen Mutation testen lassen will, soll er sich an den Lizenzinhaber oder ein Labor im patentfreien Ausland wenden.

Bei folgender Analyse handelt es sich nicht um eine MDR1 Diagnostik. Ich habe lediglich einen bestimmten Abschnitt des Chromosom 14 von Hunden untersucht. Die angewandte Methode ist bei Keijor et al. (4) unter „Mutagenically separated PRC method“ beschrieben.

 Einblick in das Chromosom 14 von Hunden

Um einen Einblick in das Chromosom 14 von Hunden zu bekommen, habe ich einen kleinen Abschnitt per PCR vervielfältigt und die Stücke in einem Gel angeschaut.

Gel

 

Die DNA Fragmente werden angefärbt, in ein Agarosegel geladen und nach der Elektrophorese auf einem Trasilluminator sichbar gemacht.

 

 

 

MDR

Agarosegel mit den PCR Produkten
lane1: Größenmarker
lane2: Abschnitt vom Chromosom 14 von Lara
lane3: Abschnitt vom Chromosom 14 von Cody
lane4: Abschnitt vom Chromosom 14 von Niki

MDR1

Agarosegel mit den PCR Produkten
Bina: Abschnitt ohne Deletion (+/+)
Beni: Abschnitt ohne Deletion (+/+)
Amica: Abschnitt ohne Deletion (+/+)
Ibo: Abschnitt ohne Deletion (+/+)

 

 

 

 

 

 

 

Falls ein Hund eine Deletion im Chromosom 14 hätte, würde das PCR Produkt des betroffenen Chromosoms nur 107 Basenpaare groß sein. Die hier untersuchten Hunde haben also keinen Defekt im MDR1 Gen.

Da die MP (Mutagenically seperated) PCR nur mit einer bestimmten Taq Polymerase funktioniert, wurde aus der selben Veröffentlichung eine direkte PCR mit einer anderen Polymerase durchgeführt. Bei der direkten PCR entsteht ein 60 bp großes Fragment bei Hunden ohne Deletion. Bei einer Deletion müsste ein 56 bp großes Fragement entstehen. Hier wurde die PCR mit zum Teil schon getesteten Hunden durchgeführt. Alle Hunde haben anscheinend keine Deletion und sind wohl +/+.

picmonkey_image

 

Alle Hunde sind Mischlinge und stammen aus dem Tierschutz. Lara, Bina und Ibo sind Colliemixe, bzw. Australien Shepherd.

Wer gerne zusätzliche Infos will, hat oder gerne darüber diskutiert, der ist in meinem Forum willkommen: http://www.dr-nepomuk.de/forum/

(1) Treatment of MDR1 Mutant Dogs with Macrocyclic Lactones. Joachim Geyer und Christina Janko. Curr Pharm Biotechnol. (2012)

(2) Comparison of the hypothalamic-pituitary-adrenal axis in MDR1-1Δ and MDR1 wildtype dogs. Katrina L. Mealey et al.: Journal of Veterinary Emergency and Critical Care. (2007)

(3) Problems with Dog Medications and the MDR1 Gene. Deb Eldredge. http://www.dogchannel.com (2013)

(4) Rapid genotyping assays for the 4-base pair deletion of canine MDR1/ABCB1 gene and low frequency of the mutant allele in Border Collie dogs. Mizukami , Chang HS, Yabuki A, Kawamichi T, Hossain MA, Rahman MM, Uddin MM, Yamato O: J Vet Diagn Invest. (2012)

 

Text und Fotos dürfen unter den Bedingungen der Creative Commons Attribution Share-Alike license (CC-BY-SA) gerne ganz oder teilweise kopiert und zitiert werden.

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